Zeitung Heute : Nur ein Mal am Tag nach Polen

Im Flugverkehr profitiert Berlin noch wenig von der EU-Erweiterung

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Europa wächst zusammen. Mit der EUErweiterung am 1. Mai sind zehn weitere Nationen in die Staatengemeinschaft aufgenommen worden. Auch wenn Berlin so noch mehr ins Zentrum des neuen Europa gerückt ist, haben die jetzt vereinfachten Reisemöglichkeiten bisher nur wenig Einfluss auf die Entwicklung des Luftverkehrs in der Hauptstadtregion.

Nur in acht der zehn neuen Mitgliedsländer bestehen regelmäßige Flugverbindungen. Dabei ist insbesondere das Angebot nach Polen bisher äußerst unzureichend. Die nationale Luftverkehrsgesellschaft LOT bietet im Code-Share mit ihrem Star Alliance-Partner Lufthansa lediglich eine Tagesrandverbindung zwischen Berlin-Tegel und Warschau. Weil nur kleinere Regionalflugzeuge eingesetzt werden, ist das Platzangebot auf jeweils 48 Sitze beschränkt. An stark frequentierten Tagen müssen Flugkunden gelegentlich schon einmal erst in der Gegenrichtung nach München düsen und dort auf eine Maschine nach Polen umsteigen. Eine umständliche, bei sechs Stunden Zugfahrt aber immer noch akzeptierte Alternative. Jetzt bietet Air Berlin zusätzlich einen täglichen Nachmittagsflug mit der größeren Boeing 737, der allein allerdings keine Erweiterung der Tagesrandkapazitäten darstellt.

Die geplante Aufnahme der Flugverbindung zwischen Katowice und Berlin durch die neue ungarische Billigfluggesellschaft Wizz Air hat sich auf unbestimmte Zeit verzögert.

Immerhin drei Mal täglich bietet die CSA ebenfalls in Kooperation mit der Lufthansa Flüge zwischen Berlin-Tegel und Prag. Den größten Aufschwung erlebt mit der EU-Erweiterung die Verbindung nach Budapest. Bisher zwei Mal täglich ab Tegel als Tagesrandverbindung von der Malev bedient, starten jetzt auch Air Berlin (ab Tegel) und Easyjet (vom 15. Juni an ab Schönefeld) in die ungarische Metropole.

Relativ gut angebunden ist auch das Baltikum. Bereits seit Jahren verbinden Lithuanian Airlines mit einem 50sitzigen Saab 2000-Turboprop täglich ein Mal den Flughafen Tegel mit Vilnius. Seit dem 1. Juni wird die Route zusätzlich auch drei Mal wöchentlich von der Air Baltic angeboten. Die lettische Airline nutzt damit als erste Luftverkehrsgesellschaft die durch die EU-Erweiterung entstandenen Expansionsmöglichkeiten im Ausland. Bereits seit 2002 bedient sie erfolgreich und inzwischen täglich die Strecke nach Riga. Seit dem vergangenen Jahr verbindet Estonian Air Tegel mit Tallinn.

Auch die entferntesten EU-Neumitglieder sind aus Berlin mit dem Flugzeug zu erreichen. Air Malta verbindet Berlin an zwei Wochentagen mit der Inselrepublik im Mittelmeer. Und auf Zypern werden gleich zwei Zielorte angesteuert. Jeweils ein Mal pro Woche düst Eurocypria nach Larnaca und nach Paphos.

Mit Ausnahme einer sonntäglichen Verbindung nach Piestany ist Berlin vorerst wieder ohne Flugverbindung in die Slowakei. Der nationale Billigflieger Sky Europe hat seine Flüge von Bratislava nach Tempelhof, mit denen man auch eine Alternative ins nahe Wien bieten wollte, wieder eingestellt. Keine Flüge gibt es bisher nach Slowenien. du-

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