Zeitung Heute : Nur ein Pieks

Paul Janositz

Die WHO hält das weltweite Gripperisiko für so hoch wie lange nicht. Auch die Vogelgrippe wird dadurch für die ganze Welt bedrohlich. Was muss passieren, um diese Gefahr einzudämmen?

„Die Grippe ist jedes Jahr bedrohlich“, sagt Susanne Stöcker. Von Dramatisierung hält die Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) im hessischen Langen nichts. Es sei Aufgabe der WHO, die weltweite Lage zu beobachten, jedes Jahr aufs Neue. Und dazu gehöre auch die Frage, ob es ausreichend Impfstoffe gebe. Und ob sich besonders gefährliche Erreger gebildet hätten.

Die Grippeviren sind zur ständigen Mutation fähig. Sie verändern ihr Erbgut. So entstehen Jahr für Jahr neue Typen, auf die das menschliche Immunsystem nicht geeicht ist. Meist im Februar treffen sich die Experten, um die Situation zu beurteilen und die jeweils optimale Zusammensetzung des Impfstoffs festzulegen. Diese müssen stets neu hergestellt werden; und wenn etwas dazwischenkommt, Produktionspannen oder unvorhersehbar aggressive Virustypen, dann läuten die Alarmglocken. In den USA ist der Impfstoff nun knapp geworden, weil die Hälfte der vorgesehenen 100 Millionen Impfdosen wegen eines Produktionsfehlers nicht verwendbar war. Die weltweit zur Verfügung stehenden 300 Millionen Dosen Impfstoff könnten nicht ausreichen.

Klaus Stöhr, der Leiter des Influenzaprogramms der WHO befürchtet jetzt, dass das Virus, das die Vogelgrippe auslöst, sich auf den Menschen übertragen könnte. Sollte sich so eine Form entwickeln, könnte – so glaubt Stöhr – eine Pandemie, eine weltweit grassierende Epidemie entstehen. Gegen die gibt es derzeit keinen Impfstoff. Viele Menschen könnten sterben. So war es bei der Spanischen Grippe, die im Winter 1918/1919 Millionen Menschen tötete. Am Donnerstag trafen sich deshalb in Genf Vertreter von Gesundheitsbehörden und Impfstoffhersteller, um die Lage zu besprechen.

Keine Engpässe sieht PEI-Expertin Stöcker für Deutschland. Sich impfen zu lassen, sei der beste Schutz gegen die Grippe. „Die ganz normale Grippe“, betont sie, mit der die Menschen hier in der kalten Jahreszeit konfrontiert seien. Dieser Grippe fallen, sagt Stöcker, pro Jahr Tausende zum Opfer: 5000 bis 8000 Menschen etwa, wie im vergangenen Winter, ohne dass von einer Epidemie die Rede sein kann.

„Es können aber auch 20000 Tote sein“, sagt Stöcker, wenn die Influenza- Viren aggressiver würden – und wenn sich nur wenige impfen ließen. Dann wird der Erreger nicht vom Immunsystem des Infizierten schachmatt gesetzt, sondern in voller Potenz weitergegeben. Wenn er dann auf Menschen mit geschwächtem Immunsystem trifft, auf Alte oder chronisch Kranke, kann es zu den schweren Symptomen kommen.

„Das sind keine Erkältungen“, betont Stöcker. Gegen diese von hunderten verschiedenen Erkältungsviren verursachten, eher harmlosen Symptome wie Husten oder Schnupfen hilft die Grippeimpfung auch nicht. Der Pieks mit dem Impfstoff schützt vor der echten Grippe (Influenza), die mit schwerem Fieber, Schüttelfrost oder starken Kopf- und Gliederschmerzen verbunden ist.

Allerdings setzt der volle Schutz erst nach zwei Wochen ein. Um rechtzeitig geschützt zu sein, sollte man sich bereits im September impfen lassen. Wer es noch nicht getan hat, sollte es nachholen. Mit 20 Millionen Einheiten sei hier zu Lande genügend Impfstoff vorhanden. Angst vor der Impfung ist unbegründet. Der Impfstoff enthält keine aktiven Viren und kann daher selbst keine Grippe hervorrufen.

http://www.impfenaktuell.de

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar