Zeitung Heute : Nur für Erwachsene

Bei Beate Uhse gibt es freizügige Auftritte

Anne Wüstemann

Knistern soll es, aufregen. Dass der Laden auch gerammelt voll wird, wenn sie keinen Event zum Event anbieten, haben die Erotik-Fachleute bei der letzten Shopping-Nacht erlebt. Aber diesmal soll es im Beate-Uhse-Museum an der Joachimstaler Straße wieder heiße Sonderaktionen geben. Dafür haben sie vier Strip-Tänzer engagiert. Nackte Haut kommt immer gut an. Nicht nur bei Männern und in allen Altersgruppen, weiß Frank Nensa, Beate Uhses Verkaufsleiter für Norddeutschland.

Er erinnert sich an die Bedienung, die sie während einer Shopping-Nacht mit schwarzen Schuhen und einem Zylinder bekleidet, durch die Menge hatten laufen lassen. Da sei schon aufgefallen, wie oft sich die Damen selber einen Sekt vom Tablett gemopst hätten. „Aber wirklich süß“, lacht der 48-Jährige, „der Sicherheitsabstand wurde immer streng eingehalten.“ Nensa erhebt sich aus seinem Stuhl und mimt eine von vielen Frauen, die sich in einer Körperneigung von 160 Grad nach einem Glas Sekt streckt.

Drei Mädchen und ein Mann werden am Samstag im Kino die Hüllen fallen lassen. Wo sonst für Pornos gezahlt wird, gibt es für sechs Euro eine Live-Performance. Wie die Uhse-Mitarbeiter beobachtet haben, gehören viele Ehepaare, aber auch Single-Frauen an diesem Abend zum Publikum. „Es gibt einige Partnerinnen, die zu dieser Gelegenheit sagen: Jetzt will ich auch mal da hin“, erzählt der Verkaufschef. Deshalb steigt eine Show, die auch weibliches Publikum ansprechen soll. Der Stripper sei 22 Jahre alt und an Hamburgs Reeperbahn bekannt. „Der muss schon immer aufpassen, dass er keine Kratzwunden bekommt“, verrät Nensa.

Wer danach noch Energie hat, sollte ein paar Treppen laufen, hoch in das Erotikmuseum, das seit 1996 existiert. Eine gläserne Plastik empfängt die Leute dort. Außer einer Fülle von kleinen und großen Spielzeugen sind in der ersten Etage des Museums auch Bilder von den Berlinern George Grosz und Heinrich Zille ausgestellt. „Berlin darf ja in Berlin nicht fehlen“, betont Frank Nensa. Zille ist sogar eine eigene Ecke gewidmet: Im Maßstab eins zu eins ist dort zu sehen, wie der Maler vor 100 Jahren an seinem Bild „Der verstopfte Ofen“ gearbeitet haben muss. Das blanke Hinterteil seines Aktes ragt den Augen des Malers in dieser Szene imposant entgegen. An anderer Stelle geht es um die gesellschaftskritischen Inhalte der Arbeiten Zilles. So hat er in erotischen Zeichnungen zum Beispiel auch die unmenschlichen Wohnverhältnisse im proletarischen Berlin abgebildet.

„Wir zeigen in unserem Museum Erotik aus Tagen, die lange zurück liegen, und demonstrieren damit, dass diese auch damals schon Thema Nummer Eins war“, erklärt Nensa. „Die Griechen zum Beispiel haben ihre Figuren seit jeher nackt präsentiert.“ Davon ist ein aufgeregtes Prachtexemplar im Museum zu bestaunen. Im zweiten Stock, dessen Boden und Wände in tiefes Rot getaucht sind, sitzt der weiße Jüngling auf einem Stein lasziv der Monroe gegenüber. Dennoch widmet sich diese Etage größtenteils der asiatischen Kunst. „Wir haben Erotik vom gesamten Erdball, aber das meiste stammt eben aus Asien, weil die da sehr erfinderisch sind“, meint der Experte. Mehr als eine Million Besucher hätten sich davon überzeugt. Und nicht nur, wer glaubt, er lebe in einer sexualisierten Gesellschaft, wird beim Besuch des Erotikmuseums einiges lernen. Ein etwa zehn Meter langes japanisches Rollenbild aus dem 18. Jahrhundert beispielsweise trägt den Titel „Elf Mal Gruppensex“. So könnte auch einer der zeitgenössischen Filme heißen, die zwei Stockwerke tiefer laufen.

Unten ist der Eintritt übrigens bis kurz vor Ostern um zwei Euro ermäßigt. Der Grund dafür sind laufende Umbauarbeiten: Die Bistro-Bar „69“ soll doppelt so groß und die Kabinenstraße mit neuer Technik ausgestattet werden. 360 statt 140 Filme stehen danach jedem Besucher zur Auswahl. Wer am Abend vor der Zeitumstellung die sexy Kinohallen besucht, sieht ab 19 Uhr 30 den Lady-Strip, ab 20 Uhr 15 den Men-Strip und ab 21 Uhr den Lesben-Strip – aber nicht unter 18 Jahren.

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