Zeitung Heute : Nur leichte Minusgrade können ein Plus sein

Die meisten Pflanzen müssen jetzt geschützt werden – nur Oleander, Zitrusgewächse und Fuchsien überstehen leichten Frost

Tassilo Wengel
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Die Orangerie im Schlosspark Sanssouci ist ein großzügiges Winterquartier. Citrus-Pflanzen vertragen keinen Frost und müssen im...dpa

Wenn der Herbst Einzug gehalten hat, dann geht auch der Blütenreichtum vieler Kübelpflanzen dem Ende entgegen. Einige zeigen noch mal ihre ganze Pracht, andere blühen nur noch spärlich und bereiten sich auf die lichtarme Zeit vor.

Da es sich vorwiegend um Pflanzen aus wärmeren Regionen der Erde handelt, heißt es einräumen, bevor die ersten Nachtfröste auftreten. Nur wenige Arten wie zum Beispiel Pflanzen aus dem Mittelmeerraum wie Oleander (Nerium oleander) oder Zitrusgewächse (Citrus) oder die meisten Fuchsien (Fuchsia-Hybride) überstehen leichte Fröste ohne Schaden.

Die Ansprüche der Kübelpflanzen sind im Winterquartier unterschiedlich und wer sich im nächsten Frühjahr wieder an der Pracht seiner Pflanzen erfreuen möchte, sollte ihnen auch im Winter optimale Verhältnisse bieten. Sicher ist das nicht immer möglich, weil keine geeigneten Räume vorhanden sind. Trotzdem ist es sinnvoll, nach Alternativen zu suchen und sich vielleicht schon beim Kauf einer kostbaren exotischen Pflanze zu überlegen, ob man für die Überwinterung geeignete Möglichkeiten hat.

Sobald die Nachttemperaturen auf fünf bis zehn Grad Celsius sinken, sollten die ersten Arten das Sommerquartier verlassen. Das empfiehlt sich vor allem für solche Kübelpflanzen, die selbst bei wenig Licht der kürzer werdenden Herbsttage noch viele Blüten bilden. Bei einigen Arten hält der Flor bis weit in den Winter hinein an. Sie eignen sich besonders gut für das Treppenhaus oder die Veranda, aber auch für Wintergärten, in denen die Temperaturen nicht wesentlich über zehn Grad Celsius liegen.

Sehr hübsch sind die Schönmalven (Abutilon), die neben den dekorativen weichen, fünf- bis siebenlappigen Blättern vor allem mit ihren prächtigen glockenförmigen Blüten in den Farben weiß, gelb oder rot ein wahres Schmuckstück sind. Auch die Gewürzrinde (Senna corymbosa und Senna didymobotrya) entfaltet nach dem Einräumen noch einige Wochen ihre gelben Blüten, wenn sie hell und bei Temperaturen um acht Grad Celsius kultiviert wird. Noch lange blüht im Winterquartier auch der Enzianbaum (Solanum rantonetti), wenn die Temperaturen nicht unter acht Grad Celsius sinken. Diese schöne Pflanze besticht während der Sommermonate mit intensiv enzianblauen Blüten, die allerdings bei abnehmender Lichtintensität etwas blasser werden.

Bei allen diesen Arten gilt, den Wurzelballen mäßig feucht, aber nicht nass halten, damit keine Staunässe auftritt. Eine schwache Gabe Volldünger nach dem Einräumen reicht als Nahrung für die nächsten Wochen aus.

Auch alle nicht winterharten Kakteen und Sukkulenten wie Aloe, Aeonium, Crassula, Kalanchoe müssen aus dem Freien in das Winterquartier geräumt werden. Die Überwinterung ist für diese Pflanzen wenig problematisch, da sie Räumen mit Temperaturen um 20 Grad Celsius stehen können. Allerdings sollten sie die ersten Tage nach dem Einräumen in temperierten Räumen verbringen, damit die Temperaturunterschiede nicht zu krass sind. Das Gießen erfolgt sparsam, wie es bei sukkulenten Pflanzen ohnehin üblich ist und gedüngt wird nicht.

Nähern sich die Nachttemperaturen dem Gefrierpunkt, dann müssen die meisten Kübelpflanzen das Winterquartier beziehen.

Vor den ersten Frösten werden auch Engelstrompeten (Brugmansia-Hybride) und Wandelröschen (Lantana-Camara-Hybride) eingeräumt. Man schneidet sie vor dem Einräumen auf die Hälfte bis zwei Drittel ihrer Höhe zurück. Sie ruhen im Winter vollkommen und können in dunklen, aber kühlen Räumen mit Temperaturen zwischen acht und zwölf Grad Celsius problemlos stehen. Etwa alle drei bis vier Wochen erhalten sie eine geringe Wassergabe. Beim Korallenstrauch (Erythrina crista-galli) spielt das Alter der Pflanze eine Rolle. Ein- bis zweijährige Pflanzen müssen den Winter bei Temperaturen von zehn bis zwölf Grad Celsius hell und feucht durchkultiviert werden. Ältere, verholzte Pflanzen überwintert man bei Temperaturen von fünf bis sechs Grad Celsius in luftigen, trockenen Räumen. Die Pflanzen können vollkommen dunkel stehen, da sie ohnehin die Blätter abwerfen. Während dieser Zeit verabreicht man nur etwa alle drei bis vier Wochen eine geringe Wassergabe.

Zuletzt räumt man die „klassischen“ Kübelpflanzen ein, die vor allem im Mittelmeergebiet zu Hause sind oder aus anderen Regionen der Erde stammen und sich im Mittelmeerraum eingebürgert haben. Dort sinken die Temperaturen im Winter häufig auf Werte um 5 Grad Celsius und darunter, auch leichte Fröste können auftreten. Diese Arten vertragen geringe Minusgrade ohne Schaden. Hierzu gehören Agaven (Agave), Erdbeerbaum (Arbutus unedo), Zylinderputzer (Callistemon citrinus), Orangenblume (Choisia ternata), Zwergpalme (Chamaerops humilis), Zitrusgewächse (Citrus), Wollmispel (Eriobotrya japonica), Lorbeer (Laurus nobilis), Südseemyrte (Leptospermum scoparium), Oleander (Nerium oleander) und Granatapfel (Punica granata).

Optimal sind für die Überwinterung helle Räume mit Temperaturen zwischen fünf und acht Grad Celsius. Steigen die Werte bis auf 15 Grad Celsius, dann nehmen die Pflanzen zwar keinen großen Schaden, blühen aber schlechter. Kühler Stand bedingt auch eine sehr sparsame Wassergabe und gelegentliche Trockenheit des Wurzelballens ist besser, als Staunässe. Nur die Südseemyrte und der Zylinderputzer dürfen auch bei niedrigen Temperaturen nicht trocken werden. Ein Rückschnitt erfolgt bei diesen Pflanzen nicht.

Bei den Schmucklilien (Agapanthus) ist die Art der Überwinterung davon abhängig, ob es sich um Laub abwerfende oder immergrüne Sorten handelt. Deshalb empfiehlt sich nur Pflanzen zu kaufen, die mit einer Sortenbezeichnung versehen sind.

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