Zeitung Heute : Nur mit Ross und Reiter

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Von Maurice Shahd

Zwei Tage nach dem Start des „Teuro“-Beschwerdeforums der Bundesregierung im Internet kann sich die Webseite vor Anfragen kaum retten. „Der Ansturm war so groß, dass die Server zusammengebrochen sind“, sagte eine Sprecherin des Verbraucherministeriums. Bis zum Donnerstag Vormittag verzeichnete das „Preis-Wert-Forum“ rund 300 000 Zugriffe. Einzelne Teile der Webseite waren zeitweise wegen Überlastung nicht zu erreichen.

Trost für die Bürger: Der eigentliche Kern der Webseite, das Verbraucherforum, funktionierte. Hier sollen künftig die n der Händler, Dienstleister und Gastronomen genannt werden, die im Zuge der Euro-Einführung ihre Preise stark erhöht haben. Um die Veröffentlichung der Namen von vermeintlichen Preistreibern im Internet war in den vergangenen Tagen ein heftiger Streit zwischen dem Verbraucherministerium und den Wirtschaftsverbänden entbrannt. Die Verbände lehnten es wegen der Namensnennungen ab, an dem Anti-Teuro-Treffen am Mittwoch mit Verbraucherministerin Renate Künast teilzunehmen. Sie befürchten, dass die Webseite zu einer Art „Pranger“ werden könne (siehe Interview). Die Einrichtung eines Internetforums zum Euro und den Preiserhöhungen nach der Bargeldeinführung war zwischen den Wirtschaftsvertretern und Künast bei ihrem ersten Anti- Teuro-Gipfel Ende Mai vereinbart worden. Bedingung der Wirtschaftsverbände: keine Veröffentlichung von Namen.

Nach Ansicht von Verbraucherschützern mache aber ein Internetforum keinen Sinn, in dem nicht „Ross und Reiter“ genannt werden. „Wir wollen die schwarzen Schafe finden und aus dem Verkehr ziehen“, sagt Karin Kuchelmeister, Euro-Expertin des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen. Die Verbraucherzentralen betreuen die neue Webseite. „Die Bürger können ihre Fragen und Beschwerden per E-Mail an uns schicken“, erläutert Kuchelmeister. Darin sollte der Name des Anbieters, des Produktes sowie der alte D-Mark-Preis und der neue Euro-Preis genannt werden. „Wir schreiben die Firmen an und bitten sie, die Preiserhöhung zu begründen“, sagt Kuchelmeister. Die Anbieter hätten danach zehn Tage Zeit für eine Stellungnahme, erst dann werden die Aussagen im Internet veröffentlicht. Übrigens auch dann, wenn die Firmen nicht antworten. Bis zum Donnerstag Nachmittag lagen bereits rund 600 konkrete Anfragen vor.

Neben dem Beschwerdeforum enthält die Webseite Informationen rund um das Thema Euro und Preise. „Hier erfahren die Bürger, welche Folgen die Euro-Einführung für Wirtschaft und Verbraucher hat, oder was der Begriff der gefühlten Inflation bedeutet“, sagt Kuchelmeister. Vorbild für das Beschwerdeforum ist eine ähnliche Webseite der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Von Oktober 2001 bis Februar 2002 wurden hier rund 1700 Beschwerden im Web veröffentlicht. „Die Verbraucher können in einem Internetforum ihren Ärger los werden“, sagt Theo Wolsing, Sprecher der Verbraucherzentrale NRW. Die Wirtschaft habe die Sensibilität, mit der die Menschen auf das Thema reagieren, einfach unterschätzt.

Mehr im Internet unter:

www.preis-wert-forum.de

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