Zeitung Heute : Nur nicht resignieren

Der Tagesspiegel

Hans Magnus Enzensberger, 28.9.1967:

„Was war das für eine Opposition? Die Antwort ist: Es waren Spätliberale, brave Sozialdemokraten, Moralisten. Es waren Leute, die den Leviathan überreden, den sich formierenden Spätkapitalismus von innen her reformieren, die unverändert massiven Machtstrukturen zur Selbstauflösung veranlassen wollten. Heute lässt eine sozialdemokratische Regierung in Berlin auf demonstrierende Studenten schießen.“

Günter Grass, Wahlkampf 1969: Wer meint, links von der SPD zu stehen, und wer glaubt, nun Anlass zur Schadenfreude zu finden, der möge sich bewusst sein, dass mit dem Abgesang dieser großen demokratischen Partei auch und wieder einmal der Abgesang der Demokratie in Deutschland angestimmt werden könnte. Vor diesem Hintergrund sollten besonders die Studenten Bilanz ziehen, damit ihre Initiative nicht versandet, damit sie im Herbst dieses Jahres nicht fassungslos einem Wahlergebnis gegenüberstehen, das sie in jene apolitische Resignation hineintreiben könnte, die vor gar nicht langer Zeit für die Studenten auf den deutschen Universitäten und Hochschulen bezeichnend gewesen ist.“

„Aufruf für eine neue Regierung“: Die Unsicherheit im politischen Leben der Bundesrepublik wächst. Sie muss überwunden werden. Wir brauchen eine Politik, die auf die Zukunft vorbereitet ist. Sachlichkeit und Verhandlungsbereitschaft müssen das Wunschdenken ablösen, das die Regierungspolitik kennzeichnet. Darum plädieren wir für eine Regierung der Sozialdemokraten. (Ilse Aichinger, Reinhard Baumgart, Hans Bender, Ernst Bloch, Kasimir Edschmid, Günter Eich, Axel Eggebrecht, Albrecht Goes, Günter Grass, Peter Härtling, Rudolf Hagelstange, Geno Hartlaub, Walter Jens, Marie-Luise Kaschnitz, Wolfgang Koeppen, Ernst Kreuder, Siegfried Lenz, Reinhard Lettau, Friedrich Luft, Ludwig Marcuse, Christoph Meckel, Alexander Mitscherlich, Robert Neumann, Hans Erich Nossack, Marcel Reich-Ranicki, Hans Werner Richter, Paul Schallück, Ernst Schnabel, Hans Scholz, Martin Walser, Dieter Wellershoff, Wolfgang Weyrauch).

Wahlanzeige vom „Wahlkontor deutscher Schriftsteller“ 1965.

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