Zeitung Heute : Nur nicht zweifeln

Britta Wauer

Wie eine Ost-Berlinerin die Stadt erleben kann

Man sieht Pfützen, Löcher und eine Baustelle an der Friedrichstraße. Dass dort in dieser Woche das Ereignis des Berliner Sommers starten soll, klingt verwegen. Baustelle hin, Bauaufsicht her, Freitag wird Uraufführung der „Dreigroschenoper“ im Admiralspalast sein. Der verwegene Bauherr heißt Falk Walter. Er ist Anfang 40, ein charmanter Tausendsassa und einer der erfolgreichsten Kulturunternehmer Deutschlands. Die Arena in Treptow, die Hoppetosse und das Badeschiff in der Spree sind seine Erfindungen.

Als der Verkauf des alten DDR-Metropol-Theaters am Bahnhof Friedrichstraße mehrmals gescheitert war und der Abriss die einzige Alternative schien, griff Falk Walter zu. Diesmal nicht allein, sondern mit weiteren Gesellschaftern. Denn das verwinkelte Gebäude, dem er den alten Namen „Admiralspalast” wiedergab, ist die größte Herausforderung, vor der dieser Mann je stand. Das will was heißen, denn Falk Walters Leben ist nicht ohne. Einst flüchtete er aus der DDR per Anhalter und Transsibirische Eisenbahn durch die Mongolei und China in die Botschaft der Bundesrepublik in Peking und war ein halbes Jahr später wieder in Berlin, nur diesmal auf der anderen Seite der Mauer.

Einer wie er musste sich in die Geschichte des Admiralspalastes verlieben: Vor 130 Jahren sprudelte an seiner Stelle noch eine Solquelle, Soldaten von der benachbarten Kaserne traten hier zum Waschen an. 1910 wurde aus dem Gartenbad ein Vergnügungstempel mit Theater, Kegelbahn und Sauna. Nichts weniger will Falk Walter wieder daraus machen. Dass in den zwanziger Jahren Mädchen oben ohne tanzten, 1946 im großen Saal KPD und SPD zur SED verschmolzen und bei den Bauarbeiten ein Zwischengeschoss für Stasi-Mitarbeiter gefunden wurde, sind Anekdoten. Die Sache mit der Bauaufsicht ist eine weitere, wenn auch eine, die viel schneller vergessen sein wird.

Karten für die „Dreigroschenoper“ im Admiralspalast: Telefon 47 99 47 99.

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