Zeitung Heute : Nur noch ein Ziel

Der Tagesspiegel

Magdeburg (dpa). In der Bundesliga ohne eine Titelchance, in der Champions League vor dem ganz großen Coup: Der Deutsche Handball-Meister SC Magdeburg hat seit Jahresbeginn alles dem großen Ziel untergeordnet, als erste deutsche Mannschaft die Champions League zu gewinnen. „Wir warten seit Wochen auf dieses Spiel“, sagte Magdeburgs Trainer Alfred Gislason. Denn im Final-Hinspiel am Sonntag beim ungarischen Titelträger Fotex Veszprem soll mit einem Erfolg die Grundlage für den Gesamtsieg gelegt werden. „Rechnen kann man damit nicht, aber wir werden auf Sieg spielen“, versprach der Isländer.

Verständnisloses Kopfschütteln, Hohn und Spott haben die Magdeburger über sich ergehen lassen, weil der Vereins-Europameister am vergangenen Mittwoch beim TV Großwallstadt mit 15 Toren Differenz deklassiert wurde. „Wir haben fast mit unserer A-Jugend gespielt. Wir wollten nichts riskieren“, erklärte Gislason die höchste Bundesliga-Niederlage. In der Meisterschaft ist die Pleite unerheblich, denn die Titelverteidigung ist für den Tabellensechsten ohnehin bereits abgehakt.

Da auch der Gewinn des DHB-Pokals durch die 23:25-Niederlage gegen den TBV Lemgo fehl schlug, ist die Champions League die einzige Möglichkeit, noch einen Titel zu holen und sich damit für das internationale Geschäft zu qualifizieren. Für den SC Magdeburg, der in der vorigen Spielzeit neben dem nationalen Titel und der Vereins-Europameisterschaft auch den EHF-Pokal und den Supercup gewann, geht es am Sonntag und im Rückspiel am 27. April (14.15 Uhr) um Alles oder Nichts. „Die Mannschaft kann sehr gut mit Druck umgehen, denn sie steht immer unter Druck. Den machen wir uns selbst, da muss sich keiner Druck von Außen einreden lassen“, sagte Trainer Alfred Gislason.

Schon zwei Mal mussten sich die Magdeburger in dieser Saison mit Veszprem auseinander setzen. Beide Teams standen sich bereits in der Vorrundengruppe D der Champions League gegenüber. Die Ungarn, die zu Hause mit 24:20 gegen die Deutschen gewannen und in Magdeburg mit 22:25 verloren, holten den Gruppensieg vor dem Team aus Sachsen-Anhalt. „Das wird jetzt ein ganz anderes Spiel als damals“, meinte Gislason zuversichtlich.

Schließlich sthen jetzt Oleg Kuleschow und Gueric Kervadec zur Verfügung, auch wenn beide sich wegen Knieproblemen fit spritzen lassen müssen. Auch die in Großwallstadt nicht oder nur sporadisch eingesetzten Spieler Magdeburgs wie Sven Liesegang, Nenad Perunicic, Olafur Stefansson und Stefan Kretzschmar werden trotz Blessuren spielen.

Die Magdeburger werden auf einen Kontrahenten treffen, der mindestens genauso motiviert wie der Kontrahent aus Deutschland. Denn der letzte internationale Erfolg der Ungarn war vor zehn Jahren der Gewinn des Europacups der Pokalsieger. „Die haben eine Weltklasse-Mannschaft zusammen“, urteilte Gislason über die Ungarn. Zudem pflegt Fotex Veszprem die gleiche Spielanlage wie der SC Magdeburg mit einer stabilen 6:0-Deckung. Auch setzen sie auf gute Torhüter und Tempogegenstößen. Wie Magdeburg.

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