Zeitung Heute : Nur noch zwei Schulformen in Berlin

Beschluss von Rot-Rot: Ab 2010 sollen Haupt- und Realschulen mit Gesamtschulen fusionieren

Susanne Vieth-Entus

Berlin - Berlins Haupt- und Realschulen sollen ab 2010 auslaufen und dann mit den Gesamtschulen zu einer neuen Schulform fusionieren. Mit dieser Richtungsentscheidung hat sich die rot-rote Koalition in die Weihnachtspause verabschiedet. Im Jahr 2009 werden somit voraussichtlich zum letzten Mal siebte Klassen an Haupt- und Realschulen aufmachen. Die Opposition begrüßte die Entscheidung im Kern.

Nach monatelangen Diskussionen hatten sich SPD und Linkspartei am Donnerstagabend bei einem Treffen mit Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) darauf verständigt, ein zweigliedriges Schulsystem zu installieren. Die neue Schulform, deren Name noch nicht feststeht, soll neben dem Gymnasien auf gebaut werden und zum Abitur führen. Falls es an Standorten zu wenig Schüler für eine eigene gymnasiale Oberstufe gibt, müssen sie verbindlich mit den berufsorientierten Oberstufenzentren kooperieren, sagte der bildungspolitische Sprecher der Linkspartei, Steffen Zillich.

Zillich bedauert, dass die Hauptschulen im Sommer 2009 noch einmal siebte Klassen aufmachen müssen. Damit schicke man noch einen Jahrgang „in die Stigmatisierung“. Er hofft, dass die Bezirke den Hauptschulen angesichts der neuen Lage möglichst wenig Schüler zuweisen. Landeselternsprecher André Schindler rät den Familien, ihre Kinder nächstes Jahr möglichst auf Gesamt- oder Realschulen und nicht mehr auf Hauptschulen anzumelden. Allerdings ist das aus Kapazitätsgründen nicht möglich. Insgesamt geht es um 56 Haupt-, 75 Real- und 54 Gesamtschulen, die zu einer einzigen Schulform verbunden werden sollen.

Neuköllns Bildungsstadtrat Wolfgang Schimmang (SPD) fordert schnell Klarheit darüber, wie viel Geld für den Umbau der Fusionsschulen zur Verfügung steht. Die Bezirke haben bereits 90 Millionen Euro veranschlagt. Zudem will Schimmang wissen, wie groß die Klassen sein sollen und mit welcher Personalausstattung sie rechnen können. Wenn man den schwächeren Schülern, die bisher vor allem auf der Hauptschule waren, tatsächlich bessere Chancen bieten wolle, sei dies eine „große nationale Herausforderung“, sagte Schimmang. Er fordert deshalb mehr Sprachförderung und eine „echte Betreuung“ am Nachmittag. Musikschulen und Sportvereine sollten Honorarverträge bekommen, damit sie zwischen 16 und 18 Uhr ergänzende Angebote machen könnten, fordert er.

Die Grünen begrüßten die Einigung der Koalition. Endlich sei das „ewige Gezerre“ um die Reform des Berliner Schulsystems zu Ende, so Bildungspolitiker Özcan Mutlu. Mieke Senftleben (FDP) sagte, sie bleibe „misstrauisch“, weil die Linkspartei und die SPD-Linke das Gymnasium langfristig abschaffen wollten. Sascha Steuer (CDU) kritisierte, dass die Koalition am Modellversuch der Gemeinschaftsschule festhalte, obwohl es jetzt darum gehe, ein zweigliedriges Schul system aufzubauen.

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