Zeitung Heute : Oasis für lau

Der Tagesspiegel

Eigentlich sollte es erst im Juli soweit sein: Das mit Spannung erwartete neue Album der britischen Band Oasis stürmt die Charts. Vielleicht wird der Erscheinungstermin aber um einige Wochen vorgezogen. Der Grund liegt im Internet: Dort finden sich alle neuen Oasis-Songs – zum Herunterladen, als unfertige Rohversionen.

Dass ausgerechnet Oasis zum Opfer illegaler Raubkopien wird, ist kein Wunder. Die Erwartungshaltung ist groß. Zwei Jahre musste sich das Publikum gedulden, bis neues Material von den Gallagher-Brüdern vorlag. Die erste Single „The Hindu Times“ ist seit Montag im Handel. Das Album „Heathen Chemistry“ sollte im Juli erscheinen. Sowohl die Single als auch die neue CD haben aber schon jetzt den Weg ins Internet gefunden. Wie genau ist unklar. Bei der Single ist das relativ einfach zu erklären: „The Hindu Times“ war im März an Radiostationen gegangen. Fans nahmen den Track auf und stellten ihn als MP3 online. Wie aber ist das komplette Album „Heathen Chemistry“ mit elf Stücken und einer Laufzeit von 40 Minuten ins Netz gekommen? Selbst Kritiker erhielten die Platte nicht vorab, sondern nur einige Songs. Da heute fast jeder Fan Zugriff auf das Internet hat, ist mit einem massenhaften Verkauf der CD so nicht mehr zu rechnen.

Das Problem ist der Musikindustrie bekannt. Wegen privater Raubkopien von Musikträgern musste sie im vergangenen Jahr Umsatzeinbußen um fünf Prozent hinnehmen. Auch die Einstellung der mit 60 Millionen Nutzern sehr populären Musiktauschbörse Napster konnte nicht verhindern, dass sich immer wieder Wege finden, Musik illegal und kostenlos über das Netz zu verbreiten. Sehr zum Ärger auch von Bandchef Noel Gallagher. Der hatte sich vor kurzem lauthals über das Internet aufgeregt.

Kommt das neue Oasis-Album wegen der Downloads nun eher auf den Markt? Fans versuchen, mit einer Online-Petition die Plattenfirma Sony zum Handeln zu bewegen. Man fürchtet, dass die Band finanziellen Schaden erleiden und bei der nächsten Platte weniger motiviert sein könnte. „Wir können das als Anhänger nicht zulassen“, heißt es in der Petition. Außerdem wird gefragt, wie mit dem Vorfall umzugehen ist. Viele haben sich „Heathen Chemistry“ als MP3 besorgt, beteuern aber, die Scheibe zu kaufen, sobald sie im Laden erhältlich ist. Wann das geschieht, konnte oder wollte bei Sony Music Deutschland am Dienstag niemand sagen. Zunächst nur soviel: „Es gibt diese Songs draußen im Netz, und wir werden das tun, was wir dann immer tun: diese Sites abschalten“, zitierte „Spiegel online“ einen Label-Sprecher. meh

Mehr zum Thema:

www.oa515.com

www.oasisinet.com

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