Zeitung Heute : Obama beschwört die Einheit Amerikas

Zweite Amtszeitals US-Präsident,Romney scheitert klarVor allem Frauen, Latinos und Schwarze wählen demokratischRepublikaner siegen im Abgeordnetenhaus, Demokraten beim SenatKanzlerin Merkellädt den Wahlsiegernach Berlin ein.

Ganz eins. Michelle Obama war eine der wichtigsten Helferinnen im Wahlkampf ihres Mannes. Bei seiner Siegesrede in Chicago dankt Barack daher vor allem ihr. Foto: Robyn Beck/AFP
Ganz eins. Michelle Obama war eine der wichtigsten Helferinnen im Wahlkampf ihres Mannes. Bei seiner Siegesrede in Chicago dankt...Foto: AFP

Barack Obama bleibt trotz hoher Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise weitere vier Jahre Präsident der Vereinigten Staaten. Er ist nach Bill Clinton erst der zweite Demokrat in der Nachkriegszeit, der die Wiederwahl schaffte. Vor allem die Stimmen von Frauen, Latinos und Schwarzen haben ihm eine zweite Amtszeit ermöglicht. Obama gewann am Dienstag mindestens 303 von insgesamt 538 Wahlmännerstimmen und damit einen deutlichen Vorsprung. Nur das Ergebnis aus Florida stand am Mittwochabend noch aus. Obama erhielt auch landesweit eine Mehrheit und konnte nach dem Stand von Mittwochabend rund 2,7 Millionen mehr Stimmen verbuchen als sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney. In der Dankesrede vor Tausenden jubelnden Anhängern in seiner Heimatstadt Chicago beschwor der 51-jährige Obama die Einheit des amerikanischen Volkes. Seine Wiederwahl wurde weltweit begrüßt.

Romney gestand nach längerem Zögern seine Niederlage ein. Er habe Obama zu seinem Sieg gratuliert. „Das ist eine Zeit großer Herausforderungen für Amerika, und ich bete, dass der Präsident Erfolg haben wird“, sagte der 65-Jährige. Die Republikaner sicherten sich aber die Mehrheit im Repräsentantenhaus.

„Wir sind die Vereinigten Staaten von Amerika. Wir leben in dem großartigsten Land der Welt“, rief Obama seinen Anhängern zu, an seiner Seite Ehefrau Michelle und die beiden Töchter Sasha und Malia. „Egal, woran du glaubst, wo du herkommst, ob du weiß oder schwarz bist, Latino oder Indianer, schwul oder hetero: Du kannst es hier schaffen.“ Obama kündigte an, er werde sich mit den Parteiführern von Republikanern und Demokraten zusammensetzen, um Steuersenkungen, Schuldenbegrenzung und das Einwanderungsgesetz voranzubringen.

Wie schon 2008 konnte Obama als erster Afroamerikaner im Weißen Haus vor allem bei den Frauen punkten. Nach einer Erhebung des Senders CNN stimmten 55 Prozent für Obama und 44 Prozent für Romney. Von den Männern gaben nur 45 Prozent dem Amtsinhaber ihre Stimme. Abermals sicherte Obamas starker Rückhalt bei den Nicht-Weißen den Demokraten wertvolle Stimmen. Aus der besonders schnell wachsenden Bevölkerungsgruppe der Latinos stimmten 71 Prozent für Obama. Weiße Wähler, die auch diesmal wieder mehrheitlich den Republikaner unterstützten (59 Prozent), machen in den USA nur noch 72 Prozent aller Stimmberechtigten aus.

In letzten Umfragen hatten beide Kandidaten nahezu gleichauf gelegen. Romney schaffte es allerdings nicht, eine wirkliche Wechselstimmung zu entfachen. Aber auch Obama hatte Mühe, die eigene Basis zu mobilisieren, zu groß war die Enttäuschung über viele nicht erfüllte Versprechen. Auch in seiner zweiten Amtszeit wird Obama darum kämpfen müssen, Gesetzesvorhaben durch den Kongress zu bringen. Gewählt wurden am Dienstag außerdem alle 435 Mitglieder des Repräsentantenhauses und 33 von 100 Senatoren. Nach vorläufigen Ergebnissen der US-Sender kontrollieren die Republikaner weiter das Repräsentantenhaus. Die Demokraten halten ihre Mehrheit im Senat.

Der Präsident des Abgeordnetenhauses, der Republikaner John Boehner, konnte seinen Sitz behaupten. Mehrheitsführer im Senat bleibt der Demokrat Harry Reid. „Nun, wo die Wahl vorbei ist, ist es Zeit, (...) zusammenzuarbeiten“, erklärte Reid. Das amerikanische Volk habe der „Strategie der Behinderung“ eine Absage erteilt. Die Republikaner hatten bei den Kongresswahlen 2010 die Mehrheit mit 242 zu 193 Sitzen übernommen und konnten Obamas Politik dadurch mehrfach ausbremsen.

Eine Mehrheit der Wahlberechtigten in Puerto Rico sprach sich unterdessen dafür aus, dass das US-Territorium sich voll an die USA angliedert und somit 51. US-Bundesstaat wird. Das Votum ist aber nicht bindend, der Kongress in Washington müsste dem Anschluss zustimmen.

Auf den wiedergewählten Präsidenten warten enorme finanzielle Probleme. Sollten sich Republikaner und Demokraten nicht bis zum Ende des Jahres auf einen Sparkompromiss einigen, treten 2013 automatisch Steuererhöhungen sowie Ausgabenkürzungen in Milliardenhöhe in Kraft.

Bundeskanzlerin Angela Merkel gratulierte Obama am Mittwoch und lud ihn nach Berlin ein. Kremlchef Wladimir Putin nahm Obamas Wiederwahl nach Aussage seines Sprechers „sehr positiv“ auf. Chinas Staatschef Hu Jintao schrieb, die Beziehungen beider Länder hätten unter Obama Fortschritte gemacht.

Die Freude über den klaren Wahlsieg Obamas verpuffte an den internationalen Finanzmärkten schnell. An der Börse in New York fiel der Dow-Jones-Index auf 12 932 Punkte. mit dpa/rtrWHITE HOUSE]

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