Zeitung Heute : Obama freut sich über Obama

Björn Rosen
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Foto: pa/dpa

Egal, was Barack Obamas Präsidentschaft bringen mag: In einer kleinen Stadt, 11 100 Kilometer entfernt von Washington, ist der versprochene „Change“ schon Wirklichkeit geworden. Bis zu diesem Jahr wussten selbst viele Japaner nichts von dem verschlafenen Fischerort an der Westküste ihres Landes; vier bis sechs Stunden dauert die Zugfahrt von Tokio dorthin. Doch plötzlich ist das 32 000-Einwohner-Städtchen weltberühmt – wegen seines Namens. Diesen schreibt man mit zwei chinesischen Zeichen, die „klein“ und „Strand“ bedeuten und „o“ und „bama“ gesprochen werden.

Spätestens als Obama-san, wie sie ihn in Japan nennen, ins Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten einstieg, erkannte die Stadt, dass sich aus der Namensverwandtschaft Kapital schlagen lässt. Der Bürgermeister schickte dem Amerikaner ein Paar Essstäbchen. Zwar ließ das Dankesschreiben auf sich warten, dafür kam rasch Besuch von Journalisten aus aller Welt. Bei der Party zu Obamas Wahlsieg am 5. November waren dann neben 400 Einheimischen auch „200 Reporter sowie der kenianische Botschafter anwesend“, berichtet Kazuo Yasuda von Obamas Fremdenverkehrsamt. „Unsere ,Obama-Girls‘ haben hawaiianische Tänze aufgeführt.“

Die Stadt hofft auf Touristen. Man kann einen „Obama-Burger“ essen oder Gebäck und T-Shirts mit dem Bild des Politikers kaufen. „Es gibt hier auch viele Tempel.“ Einigen Einwohnern geht der Rummel auf die Nerven. Andere fürchten, der künftige US-Präsident werde nicht hart genug gegen Kim Jong Il vor gehen: In den 70ern hatte Nordkorea zwei Bewohner der Stadt verschleppt, erst 2002 kamen sie frei.Björn Rosen

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