Zeitung Heute : "Öffentlich-Rechtlicher" bleibt als "Was nun?"-Moderator journalistisch tätig

Claus Hinrich Casdorff

"Ich bin ein Öffentlich-Rechtlicher und zwar mit gutem Gewissen und sogar aus Begeisterung". Das hat Klaus Bresser vor vielen Jahren für das "ZDF-Jahrbuch 1996" geschrieben und er hat sich bis heute an diese Aussage gehalten. Auch die Zukunft nach seiner Pensionierung wird da sicher keine Änderung erbringen. Bresser ist ein Markenzeichen unter den Männern und Frauen, die ihr ganzes Leben dem Journalismus gewidmet haben, dabei aber niemals hochnäsig geworden sind. Einen Satz haben wir beide in unzähligen Diskussionen immer wieder vorgetragen: "Der Journalismus ist ein Handwerk, das man gut oder schlecht ausüben kann." Wir meinten damit, dass wir wenig Respekt hatten vor den Studiosi der Kommunikationswissenschaften, die nach ihrem Hochschulabschluss in die RundfunkAnstalten strömten, alles konnten, aber auch alles nur halb. Nein, wer sich im Fernsehen durch Sachverstand, Arbeitseifer und präzise Recherchen auszeichnen will, muss die Grundschule des Handwerks "Journalismus" durchlaufen haben, wissen, welch hartes Brot es ist, als Lokalreporter zu arbeiten, aber auch eine erfolgversprechende Zwischenstation absolviert zu haben.

Klaus Bresser kam zu mir, nachdem er geraume Zeit für den "Kölner Stadtanzeiger" gearbeitet, dabei begriffen hatte, dass unser Beruf ein Handwerk ist. Das war eine ideale Vorbereitung für einen Redakteur des Fernsehmagazins "Monitor", bei dem für die anderen Kollegen ein Höchstmaß an Einübung nötig war. Dass diese Arbeit erfolgreich war, kann man heute an den Namen Ulrich Wickert, Michael Stoffregen und Rüdiger Hoffmann ablesen. Der eine ist heute Chef der Sendung "Tagesthemen", der zweite wurde Chefredakteur des Hessischen Rundfunks, der dritte Programmdirektor von Radio Bremen. "Monitor" als Kaderschmiede, dieses Lob hat uns nie verdrossen gemacht.

Klaus Bresser war bereit, zu lehren, aber auch zu lernen. Mit einem gewissen Schmunzeln betrachte ich heute seine Sendung "Was nun?", die doch eine beträchtliche Ähnlichkeit mit dem "Monitor-Kreuzfeuer" hat, das Rudolf Rohlinger und ich zwölf Jahre lang praktiziert haben. Klaus Bresser hatte aber in den folgenden Jahren, als er seine Karriere beim ZDF absolvierte, auch eine große Stückzahl eigener Ideen. Erwähnt seien nur das "Auslandsjournal", die Sendung "Frontal" und das "Sonntagsgespräch". Alle diese Eingebungen konnten nicht ohne Widerstand im ZDF-Programm untergebracht werden, es spricht für den heute scheidenden Chefredakteur, dass er stets große Beharrlichkeit an den Tag legte, wenn es galt, seine Vorstellungen durchzusetzen.

Klaus Bresser ist aber auch ein Mann, der das Leben mit seinen schönen Seiten liebt. Oft genug konnte ich seinen Charme bewundern, wenn er auf gesellschaftlichen Veranstaltungen der vielfältigsten Art Bewunderer oder auch Höflinge um sich scharte. Die harte Auseinandersetzung war bei solchen Anlässen niemals seine Sache.

Jetzt scheidet mein Mitarbeiter vieler Jahre aus dem Amt. Aber niemand soll glauben, dass er künftig ein Rentnerdasein fristen wird, man kann noch viel von ihm erwarten. Aber eins wird er bleiben: Ein Journalist, der sein Handwerk gelernt hat, und der auch in Zukunft ein "Öffentlich-Rechtlicher" ohne Firlefanz bleiben wird.

Claus Hinrich Casdorff (74) hat mehr als vier Jahrzehnte für den Westdeutschen Rundfunk (WDR) gearbeitet, zunächst beim Hörfunk, dann für das Fernsehen, zuletzt als einer der beiden Chefredakteure des WDR-Fernsehens. Der breiten Öffentlichkeit wurde Casdorff durch die von ihm erfundene, aufgebaute und geleitete Fernseh-Sendung "Monitor" bekannt.

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