Zeitung Heute : Öko? Fantastisch!

Ecotastic ist eine App fürs Smartphone, die umweltbewusstes Verhalten belohnen möchte.

Ökologisch korrekt.
Ökologisch korrekt.

Die Idee kam Fabian Lindenberg und Ralf Gehrer wegen 13 Kilometern. 13 Kilometer, die zwischen ihrer WG in Newport Beach, Kalifornien, und dem Uni-Campus lagen, wo die beiden Deutschen neun Monate lang studierten. Lindenberg und Gehrer fuhren jeden Morgen mit dem Bus zur Uni, über breite Straßen und amerikanisch-große Kreuzungen. Vier ihrer Kommilitonen, die ungefähr den gleichen Weg hatten, nahmen dagegen das Auto; nicht alle zusammen in einem, sondern jeder in seinem eigenen Wagen.

„Wir überlegten, wie wir ihnen einen Anreiz bieten könnten, stattdessen Fahrgemeinschaften zu bilden oder den Shuttle-Bus der Uni zu nutzen“, sagt Lindenberg. Heute, ein Jahr später, ist die Idee Wirklichkeit geworden, zusammen mit Ralf Gehrer und Anna Yukiko Bickenbach hat Lindenberg Ecotastic gegründet, eine Belohnungs-App, die Menschen dazu animieren soll, im Alltag umweltgerecht zu handeln.

Nutzer können die App auf ihrem Smartphone installieren und virtuelle Punkte für umweltfreundliches Verhalten sammeln, beispielsweise für das Erstellen eines Energiesparplans für die Heizung. Dafür müssen sie nur ein Foto ihrer guten Tat hochladen, die dann von den anderen Nutzern bewertet wird. Die gesammelten Punkte können gegen Gutscheine eingetauscht werden. „Wir streben nicht die Transformation des Menschen zum Voll-Öko an“, sagt Lindenberg, „sondern glauben, dass schon die vielen kleinen Schritte unserer Nutzer zusammengenommen eine große Wirkung erzielen können.“

Zurück aus den USA begannen Lindenberg und Gehrer eine Zusatzausbildung am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam, dort lernten sie Anna Yukiko Bickenbach kennen. Bickenbach, Halbjapanerin, Halbamerikanerin, hat Integrated Natural Resource Management studiert, sie kennt sich mit Nachhaltigkeit und Marketing aus. In Deutschland, überlegten die drei, könnte ihre Idee funktionieren, schließlich sind die Deutschen umweltbewusst: Sie trennen ihren Müll, viele kaufen im Bio-Laden ein, das öffentliche Verkehrsnetz ist gut ausgebaut.

Seit Mai 2013 ist Ecotastic online. Die Smartphone-App ist kostenlos, Geld verdient das Start-up über die Partnerunternehmen, die die Gutscheine stellen. „Für die Unternehmen ist das gutes Marketing und sie tun was für ihr grünes Image“, sagt Lindenberg. Aber er sagt auch: „Der Grat zwischen ehrlichem Engagement und Greenwashing ist schmal.“ Das heißt: Bei Ecotastic wird es niemals Tankgutscheine geben. Aktuell arbeitet das Start-up mit zwölf Unternehmen zusammen, Onlineshops und Läden in Berlin. Wie viel ein Unternehmen pro Monat zahlt, hängt unter anderem von der Größe ab: Ein kleines Café bezahlt weniger als ein mittelständisches Unternehmen.

Inzwischen nutzen mehr als 700 Menschen in Deutschland Ecotastic. Die App funktioniert nach dem sogenannten Öko-Gamification-Prinzip: Es geht um soziale Anerkennung („Seht her, ich kann Energie sparen!“), um Wettbewerb („Seht her, ich kann mehr Energie sparen als ihr!“) und um Belohnung. Auch deswegen glaubt Anna Yukiko Bickenbach, dass die App in Japan funktionieren könnte. Aber erst einmal wollen sie weiter in Deutschland wachsen.

Auch Fabian Lindenberg fotografiert seine guten Taten. Sein Bewusstsein habe sich geändert, sagt er. Er kauft jetzt mehr regionale Produkte. Und fürs Frühjahr hat er sich vorgenommen, sein Fahrrad wieder fahrtüchtig zu machen. Jana Gioia Baurmann

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