Zeitung Heute : Öko statt Raubbau

Siegel sorgen bei Holzmöbeln für mehr Sicherheit. Doch nicht alle sind seriös

Anne Gottschalk[dpa]
Der Hersteller Ethnicraft verwendet nach eigenen Angaben FSC-zertifiziertes Teakholz aus Indonesien. Foto: Ethnicraft/dpa/tmn
Der Hersteller Ethnicraft verwendet nach eigenen Angaben FSC-zertifiziertes Teakholz aus Indonesien. Foto: Ethnicraft/dpa/tmnFoto: dpa-tmn

Baumlange Esstische, zentimeterdicke Arbeitsplatten für die Küche und filigrane Regale: Die Möbelbranche hat den Werkstoff Holz in diesem Jahr zum Liebling der Designer erklärt. Neben Ahorn, Birke und Erle sind auch Eiche, Fichte und Nussbaum angesagte Optiken der sogenannten Greenline-Möbel. Aber auch Treibholz, wiederverwendetes Bootsholz und Edelhölzer waren auf den diesjährigen Möbel- und Einrichtungsmessen zu entdecken. Viele Hersteller geben an, dass ihre Möbel aus umweltverträglicher Produktion oder aus Recycling stammen. Für den Verbraucher ist das allerdings schwer zu kontrollieren.

„Holz hat grundsätzlich die beste Ökobilanz und ist damit schon mal ein Top-Werkstoff“, sagt Trendexpertin Ursula Geismann vom Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM) in Bad Honnef bei Bonn. Die nächste Frage laute dann aber: Wo kommt das Holz her? „Es ist utopisch zu glauben, dass man sich nur regionaler Ressourcen bedienen kann“, fügt Geismann hinzu. Verbraucher, die Wert auf eine ausgeglichene Ökobilanz legen, seien deshalb am besten beraten, wenn sie Holzmöbel mit dem FSC-Siegel kaufen.

Das Siegel des „Forest Stewardship Council“ (FSC) garantiert international, dass das Produkt nicht aus illegaler Abholzung stammt. „Das Siegel ist ein freiwilliges Zertifizierungssystem, das von den großen Umweltverbänden, Herstellerverbänden, Gewerkschaften und Waldbesitzern unterstützt wird“, erläutert Nina Griesshammer von der Umweltschutzorganisation WWF Deutschland in Frankfurt.

Bewirbt sich ein Unternehmen oder ein Waldbesitzer um das Siegel, werden laut Griesshammer unter anderem die verantwortungsvolle Waldwirtschaft sowie die Einhaltung der sozialen Rechte der Arbeiter und möglicher Ureinwohner vor Ort kontrolliert. Die Regeln des FSC verlangten, dass die gesamte Verarbeitungs- und Handelskette vom Wald bis zum Großhändler lückenlos zertifiziert sein muss. Das gilt auch für die heimische Holzverarbeitung in Deutschland und Europa.

Neben dem FSC-Siegel gibt es auch noch das PEFC-Label, das auf eine Initiative europäischer Waldbesitzer zurückgeht. Diese Zertifizierung wird jedoch wiederum von einigen Umweltverbänden wie dem WWF nicht unterstützt. Dagegen bezeichnet das Bundesverbraucherschutzministerium beide Siegel als „anerkannte Zertifizierungssysteme für nachhaltige Waldbewirtschaftung, die „für die Unbedenklichkeit der Herkunft des entsprechend gekennzeichneten Holzproduktes“ stünden. An diesen beiden Siegeln könnten sich Verbraucher orientieren, sagt ein Ministeriumssprecher.

Viele Hersteller formulieren auch eigene Standards. „Im schlimmsten Fall ist das aber Verbrauchertäuschung“, sagt Griesshammer. Nicht zertifizierte Hölzer stammten häufig aus illegalen Quellen. Bis zu 20 Prozent der Holzimporte in der EU kommen einer WWF-Studie zufolge aus illegaler Abholzung. In Indonesien beispielsweise – das zu den großen Holzlieferanten der Erde gehört – liege die Quote bei rund 70 Prozent.

„Das Wiederverwenden von sogenanntem Bau- und Bootsholz aus Übersee ist ein wachsender Trend“, sagt Griesshammer. Aber auch hier gelte: Hat der Hersteller keine anerkannte Zertifizierung, ist es schwer nachzuprüfen, woher das Holz wirklich stammt. Selbst der Schreiner in Deutschland müsse sich meist auf die Angaben seiner Lieferanten verlassen. So versicherten zwar auf der internationalen Möbelmesse IMM Cologne Anfang des Jahres in Köln viele Holzmöbel- anbieter auf Nachfrage, dass ihre Produkte aus umweltverträglicher Forstwirtschaft stammten. Doch nur wenige konnten dafür einen Nachweis liefern.

Eine außergewöhnliche Form von Recycling nach den FSC-Vorgaben zeigte die italienische Firma „Riva 1920“ auf der Messe. So entwarf Designer Matteo Thun für die Firma einen Esstisch aus ausgemusterten Eichenholzpfählen aus der Lagune von Venedig, die wegen Abnutzung ersetzt werden mussten. Die Tischplatte des Modells ist aus einer Planke geschnitten. Die Beine setzen sich schräg ein und sollen die Landschaft Venedigs wiedergeben. Anne Gottschalk, dpa

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