Zeitung Heute : Öko-Verbände: Bioland und Demeter formieren sich neu

dro

Mitten in der BSE-Krise bricht der Dachverband der Ökobauern auseinander. Aus Enttäuschung über die Verbandsarbeit verlassen Bioland und Demeter Bund die Arbeitsgemeinschaft ökologischer Landbau (Agöl). Sie werfen der Agöl Versagen in der BSE-Krise vor und die Anliegen der Öko-Landwirte nicht offensiv genug vertreten zu haben. Der seit zwölf Jahren bestehende Dachverband verliert mit Bioland und Demeter, die die Organisation 1988 mitbegründet hatten, ihre wichtigsten Mitglieder.

Der Agöl gehören außer Bioland mit 3583 Betrieben und Demeter mit 1336 Betrieben zurzeit sieben andere Verbände mit zusammen 2900 Betrieben an, darunter Naturland, der Winzerverband Ecovin und der vor allem in Ostdeutschland tätige Biopark.

Agöl-Geschäftsführer Klaus-Peter Wilbois bedauerte die Entscheidung der beiden Verbände, "gerade in einer Zeit, in der die politischen Weichenstellungen in Richtung ökologischer Landbau weisen". Die Arbeitsgemeinschaft werde bei ihrer nächsten Mitgliedsversammlung über die weiteren Schritte beraten.

"In der jetzigen Situation, in der die Ökolandwirtschaft durch die Neuausrichtung der Agrarpolitik gefordert ist, hat die Agöl nichts auf den Weg gebracht", sagte Bioland-Vorstand Thomas Dosch am Montag zum Tagesspiegel. Die Agöl sei von ihren Strukturen her nicht handlungsfähig. Bioland und Demeter würden zusammen zwar mehr als 60 Prozent der Agöl-Mitglieder vertreten, besäßen aber nur 28 Prozent der Stimmen. "Besonders die vielen kleinen Mitgliedsbetriebe haben keinerlei Reformwillen gezeigt und so unsere Arbeit blockiert", erklärte Dosch. Daher hätten die Bioland-Bundesdelegierten den Austritt einstimmig beschlossen, nachdem die Kritik an der Agöl-Arbeit im Verband ständig gewachsen sei. Der Bioland-Vorstand sprach sich für die Gründung neuer, breit angelegter Aktionsbündnisse aus, an denen auch Umwelt- und Verbraucherverbände beteiligt sein sollten. Fusionen mit anderen Öko-Landbauverbänden schloss er nicht aus. Die Zukunft der Agöl beurteilte Dosch skeptisch: "Wenn die Agöl weiterhin so genügsam wie bisher auftritt, wird sie nichts bewegen können und sich über kurz oder lang auflösen müssen".

Auch Demeter-Sprecherin Renee Herrnkind nannte die Agöl-Strukturen unbeweglich und nicht tragfähig genug, um den Öko-Landbau voranzubringen. "Wir müssen jetzt gestaltend in die Agrarwende eingreifen und eine Öko-Lobby schaffen", sagte Herrnkind. Die durch die BSE-Krise veränderte Lage sei daher eine riesige Chance. Allerdings wäre dafür dieser harte Schnitt in der Verbandsarbeit nötig gewesen, denn die Bemühungen innerhalb der Agöl hätten nicht zu dem gewünschten Erfolg geführt. Der Austritt von Demeter und Bioland sei jedoch nicht als radikaler Alleingang zu verstehen. "Ein gemeinsames Auftreten aller Interessengruppen ist weiterhin wichtig und notwendig", betonte die Demeter-Sprecherin.

Der Deutsche Bauernverband (DBV) forderte Bioland und Demeter auf, ihren Schritt noch einmal zu überdenken. Die ökologisch wirtschaftenden Betriebe müssten angesichts der von der Bundesregierung angestrebten Ausweitung des Ökolandbaus in einer übergreifenden Institution zusammenarbeiten. Deshalb werde der DBV die Agöl auch künftig "tatkräftig unterstützen".

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben