ÖLMALEREIOliver Jordan : Das Kraftpaket

Der aus Essen stammende Maler Oliver Jordan (Foto) vollführt einen wahren Veitstanz auf der Leinwand. Scheinbar drischt er seine Farben auf den Malgrund, kratzt sie großflächig mit dem Spachtel wieder ab, trägt eine neue Schicht auf, schabt wieder, kratzt. Am Ende dieses sowohl körperlichen als auch intellektuellen Prozesses stehen wilde, expressive Ölgemälde, abstrakte Figurationen, oft im monumentalen Format. Man könnte denken, da hat einer ein Hühnchen zu rupfen mit der Welt, da nutzt einer die Malerei, um Agressionen rauslassen, zumindestens will er den glatten digitalen Oberflächen, die uns umgeben, ordentlich den Stinkefinger zeigen. „Das ist ein Bild“, scheint Jordan, Jahrgang 1958, zu rufen! Und ein Bild ist mehr als ein Motiv.

Die Landschaften und Menschen, die der Mann aus dem Ruhrgebiet malt – das können Ansichten von Autobahnausfahrten oder Nordseeinseln sein, Porträts von Anne Sophie Mutter bis Albert Camus – strotzen vor Kraft. Aus ihnen bricht ewas hervor, als würden die einzelnen Farbschichten zu echtem Leben materialisieren. Doch bei Jordan geht es nicht darum, mittels Abstraktion zu rebellieren oder sich von der Wirklichkeit zu distanzieren. Im Gegenteil: Durch die Langsamkeit der Malerei kommt Verschüttetes zutage, etwas darf wiederauftauchen, weil der Maler darin gewühlt hat. Mehr als Motive zeigen auch Jordans Industrielandschaften, die ab dieser Woche im Haus am Lützwoplatz zu sehen sind. Ob die Hoesch-Werke in Dortmund, der Essener Güterbahnhof oder die Völklinger Hütte, malend entlockt Jordan diesen Industriedenkmälern ihre Geschichte. Birgit Rieger

Haus am Lützowplatz, Eröffnung Do 12.12.,

19 Uhr, bis So 9.2., Di-So 11-18 Uhr, Eintritt frei

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