Zeitung Heute : Österreich: Mehr Geld ausgeben, aber eher heimfahren

Horst Schwartz

Deutsche Urlauber kürzen ihren Österreich-Urlaub, geben aber pro Tag mehr Geld aus als früher. Das belegt die Gästebefragung Österreich (GBÖ), die - unter anderem mit Unterstützung des österreichischen Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit - alle drei Jahre durchgeführt wird und als wichtigstes Marktforschungs-Instrument im österreichischen Tourismus gilt.

Bei der GBÖ Sommer 2000, deren Auswertung jetzt vorliegt, wurde ein repräsentativer Querschnitt von 8000 Urlaubern befragt, darunter 2200 aus Deutschland. Der Fragenkatalog reicht von der Urlaubsplanung über Urlaubsaktivitäten bis zur Urlauzbszufriedenheit. Auch nach Reisemotiven und dem Wunsch, vielleicht noch einmal in den Ferien nach Österreich zurückzukehren, wurde gefragt. Auffallend ist bei den befragten Urlaubern aller Nationalitäten der hohe Zufriedenheitsgrad. Für 71 Prozent der deutschen Urlauber hat der Urlaub den Erwartungen entsprochen, für 28 Prozent übertrafen die Ferien sogar noch die an sie geknüpften Hoffnungen. Ein gutes Viertel war sogar "einfach begeistert".

Kein Wunder, dass der Stammgast-Anteil unter den deutschen Österreich-Gästen extrem groß ist: 82 Prozent von ihnen waren bereits zweimal oder häufiger zu Gast in Österreich. Deutschland ist für Österreichs Touristiker der wichtigste Herkunftsmarkt, denn deutsche Urlauber buchen 46 Prozent aller Urlaubsnächte. Auf Gäste aus Deutschland entfielen in der Sommersaison des vorigen Jahres sogar 63 Prozent aller Ausländer-Übernachtungen. Sie addierten sich zu 52,3 Millionen.

Was sind die wichtigsten Reisemotive der Deutschen, wenn es sie ins Nachbarland zieht? Das "intensive Erleben von Bergen, Wasser und Sonne" und "Gemütlichkeit" waren die meist genannten Gründe. Auch bei den Urlaubsaktivitäten antworteten die Urlauber von heute wie die Generation vor ihnen: 53 Prozent gaben - wie in den guten alten Werbe-Zeiten vom "Wanderbaren Österreich" - an, häufig Wanderungen zu unternehmen, für 52 Prozent (Mehrfachnennungen waren erlaubt) gehört spazierengehen und bummeln zu den häufigsten Urlaubsaktivitäten, gefolgt von Essen gehen (40 Prozent) und schwimmen (31 Prozent) - eine bemerkenswert konservative Rangliste.

Beachtenswert sind zwei Trends, die parallel verlaufen. Die Tagesausgaben pro Urlauber-Kopf sind im Vergleich zur Gästebefragung 1997 deutlich gestiegen, und zwar von rund 108 Mark auf 140 Mark. Gleichzeitig ist die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von 12,7 Tagen im Jahr 1997 auf 11 Tage gesunken. "Diese Tatsache", so der Chef der Österreich Werbung, "zeigt den Trend zum Qualitätstourismus".

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben