Zeitung Heute : Oh wie schön ist „Panama“

Im kunstvollen Siebdruckverfahren fertigt Sabine Dittmer auf Stoffen dekorative Schrift-Bilder

Inge Ahrens

Lyrische Bilder, sprechende Wände, vielsagende Ruhekissen und Vorhänge, bei deren Schließen dem Betrachter ein „Licht“ aufgeht. Sabine Dittmer hat ein Faible für Schriften und ein Herz für Verse. Die bringt sie im kunstvollen Siebdruckverfahren auf Satin und Seide, auf Filz, Acetat oder Baumwolle. Moderne Innendekorationen mit einem Schuss Romantik entstehen in ihrem lichten Atelier, das zugleich Verkaufsraum ist. Wer in der Tucholskystraße durch die riesigen Ladenscheiben blickt, sieht Feuerfarben: Gelb, Orange, Terrakotta, Rot. Überbordende Vorhänge mit Goethes Versen bedecken die hintere Wand. Kissen mit chinesischen Schriftzeichen sind im Regal bibliothekarisch angeordnet. Aus dem Hintergrund leuchten prachtvolle Überwürfe mit dunkelrotem Mohn und Frühlingslyrik.

„Oh wie schön ist Panama.“ Janoschs Kinderbuchtitel macht auch hier Sinn. Eine Entdeckung für Sprachverliebte.

Panama ist der Firmenname von Sabine Dittmer und meint doch nur eine Gewebebindung. Nessel hat sie auf den riesigen Ateliertisch gespannt oder ein anderes Gewebe, je nachdem, was der Kunde wünscht: Ein Bild vielleicht mit einer satten roten Rose, Antonin Artauds surrealistische Verse für die heimische Schlafdecke oder symphonische Vorhänge. Auch buddhistische Zeichen für den Wellness-Bereich sind sehr gefragt. „Schriften inspirieren mich“, lacht sie. Ob als romantische Reime oder chinesische Tuschen, „sie sind für mich nicht nur ästhetische Zeichen. Auch die Inhalte zählen“.

Wenn die 42jährige Textildesignerin aus Hamburg ein Bild macht, nimmt sie ein passendes Stück Stoff, nadelt es auf die weiche Unterlage und grundiert es weiß mit dem Rakel. So trägt sie gleichmäßig die Siebdruckfarbe auf. Dann folgt die Grundierung, die über das Weiß gezogen wird, ruhig über die Enden des eigentlichen Bildformates hinaus auf das darunter liegende Kunststück. „Das ist das Schönste“, lacht Sabine Dittmer und wischt sich die Hände an ihrer kunterbunten Latzhose ab, „nichts ist konstruiert“. Zufallskunststücke entstehen so, wilde Basen für ein nächstes Stück Arbeit.

Das ganze trocknet vor einem kleinen Tischofen – ein paar Minuten nur. Dann wählt sie ein Motiv aus einem der vielen Siebdruckrahmen aus, die an die Wand gelehnt hinter ihr stehen und legt ihn auf das ausgebreitete Stück Gewebe. Die gewünschte Farbe wird auf das Sieb gestrichen, das Bild so auf den Untergrund übertragen. Mit einem satten Schmatz hebt sie den Rahmen ab, und Hummer & Co. leuchten appetitlich rot auf sahnigem Grund. Manchmal sind es Orangen auf goldenem Fonds, sanfte Sand- und Meerlandschaften oder Ovids Verse.

Mit den Kunden gestalten, das möchte Sabine Dittmer. Einige bringen ihre eigenen Schriften mit. Die setzt sie dann am Computer um. Manches findet sie auf Flohmärkten, in alten Büchern, oder sie reproduziert Bilder, die ihr gefallen: Buddhas, Rosen, Lilien, Tulpen und Mohn, japanische Blütenzweige, orientalische Muster und Bordüren, alte Postkartengrüße. Ab und zu bleiben Spaziergänger vor dem Laden stehen, schauen ihr dabei zu, wie sie Musterandrucke macht, für Stoffbilder oder meterlange Tapeten auf Lissen. So heißt das Makulaturpapier. Dann kann es sein, dass sie am nächsten Tag wiederkommen: vielleicht mit einem handschriftlichen Liebesgedicht, das sie dann auf einen seidenen Bettbezug überträgt: meerblau auf goldgelbem Grund.

Panama. Sabine Dittmer, Tucholskystraße 45, 10117 Berlin (Mitte), Telefon: 27 90 87 18, Fax: 27 59 64 53.

E-Mail: panama-berlin@t-online.de

Internet: www.panama-berlin.de

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben