Zeitung Heute : Ohne Mühe viel erreichen

Nachhaltiges Handeln in der Zivilgesellschaft – jeder kann etwas beitragen.

Das Gute am guten Handeln ist: Jeder kann sofort damit anfangen. „Es muss nicht immer die eine große Idee sein“, sagt Eike Meyer, Referent in der Geschäftsstelle des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE). „Auch kleine Schritte können viel bringen.“ Deshalb prämiert der Nachhaltigkeitsrat seit 2011 Initiativen aus Kunst, Bildung, Umweltschutz, Wirtschaft und Gesellschaft. 100 nach Ansicht des RNE besonders zukunftsweisende Projekte und Impulse wurden in diesem Jahr mit dem Siegel „Werkstatt N“ ausgezeichnet.

Darunter ist zum Beispiel die Initiative „Halbzeitvegetarier“ der Berliner Studentin Katharina Rimpler (www.halbzeitvegetarier.de). Die Idee dabei, salopp formuliert: Zwei halbe Vegetarier sind auch ein ganzer. Wenn sich zwei Personen zusammentun, die beide ihren Fleischkonsum einschränken, ist das genauso gut, wie wenn einer von ihnen komplett auf Fleisch verzichten würde. „Eine sehr charmante Idee“, sagt Meyer. „Denn das eigene Verhalten zu ändern, ist am schwierigsten.“ Noch immer assoziierten viele Menschen Nachhaltigkeit vor allem mit Einschränkung und Verzicht.

Tatsächlich bedeutet nachhaltiger Konsum auch Verzicht – weniger ist mehr, lautet häufig das Motto. Sich die eigenen Bedürfnisse bewusst machen, Kaufentscheidungen zu hinterfragen, auch mal auf eine Anschaffung verzichten, wenn man das Produkt nicht wirklich braucht – das ist der erste Schritt. Doch auch ohne große Mühe lässt sich viel erreichen. Der Nachhaltigkeitsrat hat dazu die Broschüre „Nachhaltiger Warenkorb“ herausgegeben (abrufbar unter www.nachhaltigkeitsrat.de). Darin finden sich viele praktische Tipps, worauf Verbraucher achten können.

So sollten etwa Lebensmittel wenn möglich nicht nur ökologisch angebaut, sondern auch regional und saisonal sein. Wer statt mit dem Auto öfter mal Bus, Bahn oder, noch besser, Fahrrad fährt, ist auf dem richtigen Weg. Beim Neukauf von Hausgeräten sollte auf den höchstmöglichen Energieeffizienzstandard geachtet werden. Statt auf Stand-by gehören Fernseher, Drucker und Co. komplett ausgeschaltet. Eine der besten Möglichkeiten, die eigene Klimabilanz zu verbessern, ist laut RNE der Wechsel zu einem Ökostromanbieter. Das alles sind kleine Maßnahmen, die kaum Mühe machen und in der Summe viel Energie sparen.

Unter den vom RNE prämierten Projekten ist auch das seit 1997 in der Altmark bestehende Ökodorf Sieben Linden. Der Nachhaltigkeitsrat lobt besonders die Umsetzung nachhaltiger Prinzipien in allen Bereichen. So wird dort nicht nur die Energie ausschließlich aus erneuerbaren Quellen bezogen oder selbst erzeugt, sondern alle Entscheidungen werden gemeinsam getroffen. „Das entspricht unserem dreidimensionalen Verständnis von Nachhaltigkeit“, sagt RNE-Sprecherin Katja Tamchina. „Dazu gehören nicht nur ökologische, sondern auch soziale und ökonomische Aspekte.“ Barbara Kerbel

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