Zeitung Heute : Ohne Onlineprofil geht fast nichts mehr

Facebook, Google+, Xing, Twitter: Wer beruflich oder privat öffentlich wirksam sein will, muss im Netz präsent sein. Experten helfen beim Selbstmarketing.

Peter Zschunke[dpa]
Werbeeffekt. Vor allem Freiberufler profitieren vom Selbstmarketing. Foto: dpa
Werbeeffekt. Vor allem Freiberufler profitieren vom Selbstmarketing. Foto: dpaFoto: dpa-tmn

Facebook und Co. bieten weit mehr als nur die Möglichkeit, sich für eine Party zu verabreden oder Freunden die Urlaubsfotos zu zeigen. Soziale Netzwerke dienen nach Darstellung des Fachverbands Bitkom vor allem dem Identitätsmanagement, also der „ Darstellung individueller Interessen, Erlebnisse, Meinungen oder Kompetenzen“. Außerdem geht es ums Beziehungsmanagement – bestehende Kontakte können über soziale Netzwerke gepflegt, neue Beziehungen geknüpft werden – und um das Informationsmanagement, die Auswahl und Weiterverbreitung von Informationen aller Art. Wer aus beruflichen oder privaten Gründen in irgendeiner Weise öffentlich wirksam werden will, muss im Netz präsent sein.

Die Hamburgerin Kixka Nebraska berät als Profilagentin Kunden dabei, ein Profil bei sozialen Netzwerken anzulegen. „Es ist gefährlich, als Netzverweigerer durchs Leben zu gehen“, sagt die Expertin. „Denn dann reden andere und gestalten das Bild der eigenen Person in der Öffentlichkeit, ohne dass man selbst darauf Einfluss nehmen kann.“ Nebraska fragt ihre Kunden nach ihren Absichten und begleitet sie auf ihren ersten Schritten, bis sie ihre Präsenz im Netz in eigene Hände nehmen.

„Soziale Netzwerke sind nicht einfach nur ein neuer Kanal, den man ähnlich bespielt wie die lokale Tageszeitung oder Bandenwerbung im heimischen Stadion“, sagt der Buchautor Thomas Pfeiffer. „Soziale Netzwerke gleichen eher einem Tag der offenen Tür: Sie laden Menschen zu sich in die Firma ein und möchten sich von Ihrer besten Seite zeigen.“ Der entscheidende Unterschied zum herkömmlichen Marketing: Es gibt einen Rückkanal. Daher müsse man, sagt Pfeiffer, immer wieder auf Fragen antworten – „auch wenn diese manchmal nervig sein können“.

Die Gestaltung des eigenen Profils müsse die Besonderheiten der verschiedenen Netzwerke berücksichtigen, sagt Nebraska. „Es ist wichtig, eine spezifische Medienkompetenz für diese Portale zu erwerben. Das ist eine Kulturtechnik, die man neu lernen muss.“ Bei Facebook, dem weltgrößten sozialen Netzwerk mit 800 Millionen Mitgliedern weltweit, empfiehlt Sprecherin Tina Kulow: „Authentisch, sympathisch und aussagekräftig, das sind Dinge, auf die man achten sollte, eben ganz so wie im richtigen Leben.“ Bei Google+ ist der Platz für die Selbstdarstellung besonders umfangreich – was aber nicht dazu führen sollte, sich mit langen Texten auszubreiten. Die Aufmerksamkeit im Internet ist begrenzt, und schnell haben sich Besucher wieder davongeklickt.

Der Kurznachrichtendienst Twitter ist eine etwas andere Welt. Hier scheint der Anfang besonders schwer zu sein. Was muss ich tun, um auf Twitter beachtet zu werden? Twitter-Experte Pfeiffer antwortet: „Erstens: Gutes schreiben. Zweitens: Sinnvolles schreiben. Guter Inhalt ist das A und O jeder Publikation, auch wenn sie nur in 140 Zeichen langen Beiträgen daherkommt. Antworten Sie auf Fragen anderer Twitterer, nicht nur, wenn diese direkt an Sie gerichtet sind, sondern auch, wenn sie an die Allgemeinheit gehen.“ In der öffentlichen Twitter-Kommunikation freut man sich, wenn die Resonanz in der Anzahl der Follower und Retweets wächst. Das persönliche Netzwerk steht hingegen im Zentrum von Facebook und Google+. Hier gilt es, immer wieder neu zu entscheiden, wen man als Kontakt akzeptiert oder – bei Google+ – in die eigenen Kreise aufnimmt.

„Es ist wichtig, dass Menschen bei jeder Freundschaftsanfrage bewusst darüber nachdenken, ob sie mit der jeweiligen Person wirklich auf Facebook befreundet sein möchten“, sagt Facebook-Sprecherin Kulow. Man brauche kein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man eine Freundschaftsanfrage nicht bestätige. Wichtig sind die „Freundeslisten“ bei Facebook, „denn damit können sie echte Freunde und Bekannte trennen und stets bestimmen, wie viel diese vom Profil, den Neuigkeiten und Fotos sehen können“, sagt Kulow.

Wieder anders gelagert ist der Umgang mit den Business-Netzwerken: Hier ist Xing vor allem für Deutschland relevant, LinkedIn für internationale Kontakte, insbesondere in die USA. Bei diesen Plattformen kommt es weniger darauf an, sich immer wieder neu mit dem zu präsentieren, was man gerade macht. Hier ist es vielmehr wichtig, mit den eigenen Stärken und Fähigkeiten gefunden zu werden, etwa für Freiberufler auf der Suche nach Aufträgen.

Wer die Möglichkeiten der sozialen Netzwerke gezielt einzusetzen versteht, wird sich dort ganz alltäglich bewegen und entwickelt sich zu einem Netzbewohner mit einem großen Kreis von Freunden, Bekannten und interessanten Leuten. „Die Netzwerke werden nicht mehr verschwinden“, sagt Kixka Nebraska, „sie prägen unsere Art der digitalen Kommunikation.“ Peter Zschunke, dpa

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