Zeitung Heute : Ohne Rechner geht es nicht mehr

Welche Kurse auch aus Computermuffeln souveräne EDV-Anwender machen.

Alle brauchen den PC. Auch auf dem Bau ist EDV erforderlich. Foto: K. Kleist-Heinrich
Alle brauchen den PC. Auch auf dem Bau ist EDV erforderlich. Foto: K. Kleist-Heinrich

Kaum ein Arbeitsplatz, an dem nicht ein Computer steht – sogar im Kuhstall. Aber das heißt noch lange nicht, dass jeder damit umgehen kann. Vor allem bei speziellen Anwendungen beschränken sich viele Nutzer auf das Notwendigste. Dabei kann der geschulte Umgang mit dem PC den Arbeitsalltag erleichtern – und neue Perspektiven eröffnen. Denn für Arbeitgeber sind EDV-Kenntnisse nach sozialen Kompetenzen das wichtigste Einstellungskriterium, noch vor Fremdsprachenkenntnissen.

Entsprechend zahlreich sind die Weiterbildungsangebote. Doch muss man differenzieren. Zum einen gibt es Angebote mit Kammerabschluss oder Zertifikate im Rahmen einer professionellen Weiterbildung. „Wer diesen Weg geht, ist Experte und weiß, worauf es für ihn ankommt“, sagt Michael Cordes, wissenschaftlicher Leiter der Abteilung Weiterbildungstest der Stiftung Warentest. Darüber hinaus ist der Bildungsmarkt im EDV-Sektor weit gefächert. Für wen lohnt sich welche Zusatzqualifikation?

„Wenn man von firmeninternen Schulungen und Kursen absieht, stößt man auf Angebote im Anwenderbereich“, sagt Cordes. Damit sind Programme zur Textverarbeitung und Tabellenkalkulation gemeint sowie E-Mail-, Buchhaltungs-, Grafik- und Layoutprogramme. Vor allem ältere Arbeitnehmer sind zum Teil nicht vertraut mit den vielen Anwendungsmöglichkeiten. „Die jüngere Generation lernt autodidaktisch und intuitiv. Wer Fragen hat, nutzt die Hilfefunktion oder sucht Antworten in Onlineforen“, sagt Cordes. Dennoch kann gerade für Berufseinsteiger ein zertifizierter Nachweis von IT-Fähigkeiten sinnvoll sein. Zwar wird in Führungspositionen vorausgesetzt, dass man die Standardanwendungen beherrscht. „Aber man darf nicht außer Acht lassen, dass man sich mit systematischen Weiterbildungen Kompetenzen aneignet, die man im Berufsalltag einsetzen kann.“

Es seien auch gerade die PC-Soft-Skills, wie der Umgang mit elektronischer Post, die unterschätzt würden, sagt Karin Frößinger, EDV-Expertin am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE). Auch das Internet sei nicht zu unterschätzen. „Unter den Vorzeichen von steigender Mobilität und Allzeit-Verfügbarkeit werden immer mehr Anwendungen ins Internet verlegt. Die Beherrschung von Webbrowsern ist an modernen Arbeitsplätzen inzwischen unabdingbar.“ In fast allen Berufen gehöre die Informationsbeschaffung im Internet zu den Routineaufgaben. „Dabei ist die Informationskompetenz ein wichtiges Stichwort, also die Fähigkeit, Informationen in effizienter Weise zu recherchieren und einzuschätzen. Dieser Kompetenz wird leider bisher zu wenig Bedeutung beigemessen.“

Wer sich IT-Basiskenntnisse aneignen und sie besiegeln lassen will, ist laut Frößinger mit dem Europäischen Computer Pass „Xpert“ gut bedient, der von den Volkshochschulen ausgestellt wird, und mit dem Europäischen Computer Führerschein (ECDL), den in Deutschland die Dienstleistungsgesellschaft für Informatik koordiniert. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Zertifikaten, die von den Herstellern oder autorisierten Bildungsanbietern ausgestellt werden.

Bei Microsoft wird etwa ein Anfänger zum Office Spezialist ausgebildet. Auch Adobe bietet produktspezifische Prüfungen an. Ein Adobe Certified Expert (ACE) beherrscht mindestens eines der Programme wie Photoshop oder InDesign auf Expertenniveau, während ein Adobe Certified Associate (ACA) über Grundkenntnisse in der Planung, Gestaltung, Umsetzung und Pflege effektiver Kommunikation mit verschiedenen digitalen Medien verfügt. Ähnliches findet man auch bei SAP und ihren Bildungspartnern, die Seminare mit staatlicher Förderung per Bildungsgutschein anbieten, wo vom Einsteiger bis zum Spezialisten jeder einen passenden Kurs findet.

Entscheidend ist neben den Inhalten die Qualität. Hier hilft ein Blick in die Checklisten vom DIE und dem Bundesinstitut für Berufliche Bildung (BIBB). Im Fall branchenspezifischer Programme lohnt es sich, bei Handwerkskammer oder IHK zu schauen. Wobei man stets beachten sollte, dass sich die Kurse am Teilnehmer orientieren. „Am Computer gilt Learning by Doing. Eignen Sie sich also nur Aspekte an, die sie wirklich brauchen, und nutzen Sie sie“, rät Michael Cordes. Tong-Jin Smith

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