Olympia in der Antike : Magie des guten Ortes

Die Panhellenischen Spiele fanden auch in Nemea und in Korinth statt – und in Delphi, dem damaligen „Zentrum der Welt“.

Im Heiligen Hain von Olympia heute. Die drei Säulen gehören zum Philippaion, mit dem König Philipp von Mazedonien seine Macht demonstrieren wollte.
Im Heiligen Hain von Olympia heute. Die drei Säulen gehören zum Philippaion, mit dem König Philipp von Mazedonien seine Macht...Foto: Susanne Bocher

Gibt es gute Orte? Der Esoteriker nennt die Einteilung der Erde nach guten und weniger guten Orte Geomantie, was man wohl als Feng Shui von Landschaften bezeichnen könnte. Gebildet aus den altgriechischen Wörtern für „Erde“ und für „Weissagung“. Ley-Linien durchzögen also die Erde, die von einem Energiegitter durchwirkt sei. Der Geomant erkennt diese atmosphärisch verdichteten Plätze in Raum und Landschaft: unterirdische Adern, Welt-Meridiane, Energieknotenpunkte als Wurzelchakren. Wissenschaftlich alles natürlich absolut unbewiesen.

Einer der ersten (unfreiwilligen) Geomanten muss wohl der Hirte gewesen sein, der das Heiligtum von Delphi entdeckte, gelegen im heutigen Zentralgriechenland, nur einen Steinwurf vom Golf von Korinth entfernt. Das heißt, erst mal war da kein Heiligtum, sondern nur Dampf, der aus einer Erdspalte stieg. In der Nähe dieser Spalte verhielten sich die Ziegen sehr ungewöhnlich. Sie torkelten. Als er selbst näher kam, begann er unartikulierte Laute von sich zu geben. Sein ungewöhnliches Verhalten zog andere Hirten an, denen, als sie sich der Stelle näherten, selbst schummrig wurde – was schließlich als untrügliches Zeichen für die Anwesenheit des Göttlichen angesehen wurde. Ein Dreifuß wurde an der Stelle installiert, und das Orakel von Delphi war gegründet, lange Zeit angesehen als „Mittelpunkt der Welt“, zu dem die Menschen pilgerten, wenn sie Rat suchten. Pythia, eine Priesterin, saß auf dem Dreifuß, atmete die Zaubergase und gab rätselhafte Antwort (Amerikanische Geologen, die vor einigen Jahrzehnten Erdspalten in der Nähe untersuchten, stellten profanerweise fest, das der Erde ein methanhaltiges Gas mit halluzinogener Wirkung entströmt).

Eine zweite Legende zur Gründung des Heiligtums von Delphi wird in der „Homerischen Hymne an Apollo“ beschrieben: Danach kam Apollo, Sohn des Zeus, Gott der Sonne, der Künste und der Weissagung höchst selbst die Hänge des nahen Parnass herunter, um einen passenden Ort für die Gründung des ersten menschlichen Orakels zu suchen. Südlich des Bergmassivs wurde er fündig. Allerdings war die Stelle schon von anderen Gottheiten besetzt und wurde darüber hinaus von einer furchtbaren Schlange bewacht. Apollo kämpfte gegen sie, siegte und wurde Alleinherrscher über den Ort. Nach der Schlange heißt die Priesterin des Orakels Pythia – und die Spiele, die später zu Ehren Apollos gegründet wurden, die pythischen Spiele.

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