Olympia in der Antike : Teamgeist hat Zukunft

Die Grabung ist eine konstante Größe in den deutsch-griechischen Beziehungen seit 1875 – über Archäologie in Zeiten der Krise.

Bei der Arbeit in Olympia. Susanne Bocher, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Deutschen Archäologischen Instituts und Kuratorin der Ausstellung „Mythos Olympia – Kult und Spiele“ zeichnet ein Profil.
Bei der Arbeit in Olympia. Susanne Bocher, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Deutschen Archäologischen Instituts und Kuratorin...Foto: DAI Athen

Die Weichen waren früh gestellt. Während ihre Mitschülerinnen in der Grundschule Pferdepflegerin oder Tierarzt als Berufswunsch in die Freundschaftsbücher eintrugen, schrieb Susanne Bocher ganz selbstbewusst: Archäologin. Sie ist in Deutschland aufgewachsen, aber ihre Mutter stammt aus Kreta. „Meine Eltern haben mich schon früh zu den Ausgrabungen mitgenommen“, erzählt sie, die heute als Kuratorin für die große Ausstellung „Mythos Olympia – Kult und Spiele“ im Martin-Gropius-Bau Berlin und gleichzeitig für das Projekt „Olympia und seine Umwelt“ am Deutschen Archäologischen Institut (DAI) in der Berliner Zentrale arbeitet. Während ihres Studium der Ur- und Frühgeschichte und der Klassischen Archäologie arbeitete sie an Projekten in Troja, auf Santorin und auch auf Kreta. Von 2004 bis 2008 war sie als wissenschaftliche Hilfskraft sowohl für die Grabung als auch für das Bronze-Digitalisierungsprojekt des DAI in Athen tätig. Die meiste Zeit davon verbrachte sie allerdings in Olympia.

Olympia gilt als die deutsche Grabung überhaupt in Griechenland. Susanne Bocher hat den Ort in sehr unterschiedlichen Phasen erlebt. „2004 war ich vor den Olympischen Spielen von Athen in Olympia. Im Lande spürte man eine wunderbare Aufbruchstimmung und dann gewann Griechenland auch noch die EM im Fußball. Es war eine wunderschöne Zeit.“

Die Spiele der Neuzeit beflügelten die Griechen – und sie schlugen eine Brücke zum alten Olympia. Die Kugelstoß-Konkurrenz in der antiken Wettkampfstätte etwa war nicht ganz unumstritten. Die Genehmigung erfolgte unter hohen Auflagen, doch die Archäologin konnte die Bedenken nicht teilen. „Kugelstoßen ist nicht aufwendig, kennt keine große Elektronik, und eigentlich ist ja das antike Stadion eine Rekonstruktion“, sagt sie. Die Stimmung sei authentisch gewesen, 15 000 Menschen hätten zugeschaut. „Wir saßen versetzt auf den Erdwällen des Stadions und man hatte das Gefühl – ja, so könnte es gewesen sein. Der echte Wettkampf und die Spannung zwischen den teilnehmenden Nationen war ein besonderes Erlebnis. Uns gegenüber befand sich die antike Kampfrichtertribüne – und darüber dann die VIP-Lounge für den Premier und die Ehrengäste.“

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