Zeitung Heute : Online-Kaufhaus schließt trotz magerer Umsätze nicht

Torsten Hampel

Der Karstadt-Quelle-Konzern wird seine E-Commerce-Projekte "expansiv entwickeln". Das erwiderte Unternehmenssprecher Elmar Kratz auf Spekulationen um die Schließung des virtuellen Karstadt-Kaufhauses "My-World". Sie seien frei erfunden. "Wir ziehen uns nicht aus dem Internet-Geschäft zurück", sagte Kratz. "Im Gegenteil, wir sehen das als Geschäftsfeld der Zukunft". Auch an dem Gerücht, My-World werde zum Service Provider umgebaut und künftig nur noch unternehmensintern Dienstleistungen anbieten, sei nichts dran. Darüber, dass My-World als Internet-Portal für die Marken des Karstadt-Quelle-Konzerns dienen könnte, die eingeführte und starke Namen haben (Karstadt, Hertie, Neckermann, Kadewe, Wom), wurde ebenso gemutmaßt. My-World "wird nicht umgebaut", so Kratz.

Stattdessen plane man, alle Internet-Aktivitäten des Konzerns unternehmensintern neu zu ordnen. Doch nicht nur die Organisation, auch die Präsentation von Karstadt im Internet solle sich ändern. Über die inhaltlichen und optischen Neuerungen ist noch nicht entschieden. Es sei aber klar, dass "es eine klarere Strukturierung und mehr Service" auf den Websites geben wird, so Kratz. Dabei soll die Marke Karstadt im Internet deutlicher als bisher erkennbar sein. Bislang war sie dort weitgehend synonym mit dem unbekannteren Namen My-World.

Die Investitionen für das Internet-Kaufhaus sind trotz rascher Umsatzsteigerungen bisher nicht durch entsprechende Gewinne ausgeglichen worden. Schätzungsweise 20 Millionen Mark hat der Aufbau von My-World seit dessen Start im Oktober 1996 gekostet. Doch gerade einmal der Umsatz bewegt sich in dieser Höhe. Im Jahr 1998 betrug er sechs Millionen Mark, zehn Mal so viel wie im Jahr davor. 1999 lag er bei 15 Millionen Mark. "Es gibt kein Internet-Unternehmen, das Investitionen in so kurzer Zeit amortisiert", sagte Kratz. Im gesamten Online-Geschäft des Handelsriesen wurden im vergangenen Jahr insgesamt 214 Millionen Mark umgesetzt - knapp ein Prozent des Konzernumsatzes. Die Karstadt-Versandhaus-Marken Quelle und Neckermann hatten daran den größten Anteil.

In der Vergangenheit ist My-World mehrfach umgebaut worden. Es wurden die Sortimente geändert und die Nutzerführung verbessert. Der Bereich E-Commerce ist von Vorstandschef Wolfgang Urban jüngst zur Chefsache gemacht worden. In den kommenden Jahren will Karstadt-Quelle mehr als eine Milliarde Mark online umsetzen.

Der Ausbau des Online-Geschäftes soll durch strategische Partnerschaften befördert werden. Nach Informationen von "Manager Magazin Online" werden der Medienkonzern von Leo Kirch, der Münchener Filmrechtehändler Em.TV und die Deutsche Telekom AG dem Kaufhausriesen bei der besseren Nutzung des Mediums Internet helfen und es mit dem Fernsehen verknüpfen. Gespräche darüber würden Karstadt zufolge auch mit anderen potenziellen Partnern geführt.

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