Zeitung Heute : Onlinestellenmarkt: Klick - ein neuer Bewerber ist online

Ansgar Siemens

Der Gang zum Arbeitsamt, Zettel ziehen und dann warten, warten, warten. Das muss nicht mehr sein. Klick - und schon wieder hat sich ein neuer Jobsucher auf einer Onlinestellenbörse gemeldet. Noch ein Klick - und das Stellengesuch ist auf der Homepage.

Der Markt für Jobbörsen im Internet ist kräftig in Bewegung. In den vergangenen rund drei Jahren haben Unternehmen und Jobsucher den Online-Stellenmarkt für sich entdeckt. "Die Nachfrage ist exponentiell nach oben geschossen", sagt Francis Schiller, Marketingchef bei der Onlinestellenbörse karriereguide.de.

Monster.de, das neben Jobpilot und Stepstone zu den Big Playern der Branche in Deutschland zählt, verzeichnet pro Monat rund eine Million Besucher. Tendenz steigend. Problem: Die Erfolgsquote ist immer noch relativ gering. "Weit weniger als zehn Prozent derer, die online einen Job suchen, werden vermittelt", sagt ein Brancheninsider. Nach einer Studie der Hamburger Onlinestellenbörse IT-Domain sind rund 75 Prozent der IT-Unternehmen, die übers Internet neues Personal rekrutieren, mit der Qualität der Onlinebörsen unzufrieden. Ein Grund: Die Stellenbörsen sind vielfach immer noch zu statisch. Angebots- und Nachfrageprofile passen nicht automatisch zusammen. "Eine Jobbörse kann nur erfolgreich sein, wenn sie mit einer umfassenden Personalberatung einhergeht", sagt Marketing-Mann Schiller.

So sollten von Personalberatern Lebensläufe umfassend gecheckt, passende Firmen sorgfältig ausgesucht werden. Schließlich müsse auch der Kontakt zwischen Bewerber und Unternehmen über die Zwischenstelle Personalberatung laufen.

Genau diesen Weg wollen vor allem die Tonangeber der Branche jetzt beschreiten. "Wir wollen Komplettpakete für Unternehmen schnüren", sagt Stephan Lindenfeld, PR-Chef bei Jobpilot. Zukunftsszenario: Die komplette Rekrutierung liegt bei den Personalvermittlern, Unternehmen geben nur noch ihre Anforderungsprofile ab und warten, mit welchen Kandidaten Jobpilot & Co. aufwarten. Entscheidend sind daher die übers Internet aufgefrischten Datenbanken, um aus einer Masse von Kandidaten den richtigen zügig herauszufischen. "So wird in Zukunft wahnsinnig viel Geld zu verdienen sein", schätzt Lindenfeld.

Mit Grund: Nach einer Studie des Investmenthauses Lehman Brothers aus dem vergangenen Jahr sollte der Markt für Jobs übers Internet in Europa von derzeit weniger als einer Milliarde Euro bis 2005 auf fünf Milliarden Euro zulegen können. Allerdings: "Nur die Großen werden überleben, wenn sie einen Rundumservice anbieten", bestätigt Carsten Jansing, Analyst beim Investmenthaus Hornblower Fischer, den Branchentrend. Der Konkurrenzkampf im Onlinestellenmarkt ist hart. Bislang schreiben die meisten Onlinestellenbörsen noch rote Zahlen. Beispiel Jobpilot: Zwar konnte das börsennotierte Unternehmen seinen Netto-Umsatz im ersten Quartal 2001 um 160 Prozent auf 13,2 Millionen Euro pushen (im Vergleich zum Vorjahresquartal). Um aber bald den Break-even zu erreichen, sollen 50 Jobs hauptsächlich im administrativen Bereich wegfallen. Positiv bei Jobpilot: 28 der 30 Dax Unternehmen und 21 aus dem EuroStoxx gehören zu den Kunden. Die branchenübergreifende Nutzung der Onlinestellenbörsen ist erst im Kommen. Der Vermittlungsanteil bei IT-Fachkräften, die naturgemäß mit dem Internet vertraut sind, ist mit rund 50 Prozent am höchsten. Problematisch ist, dass Onlinestellenbörsen zurzeit eher auf hochdotierte Stellenangebote aus sind. Grund: Die Provision ist dort bedeutend höher.

"Wir vermitteln hauptsächlich bis zur dritten Managementebene", sagt Jobpilot-Sprecher Lindenfeld. Rolf Scheuten, Partner bei der Personalberatung Apriori, zu der auch karriereguide.de gehört, ist aber optimistisch: "In 2005 werden auch Jobsucher aus Handwerk und Handel in der Mehrzahl ihre Jobs übers Internet finden." Ob die Internet-Stellenbörsen den Tageszeitungen den Rang ablaufen, ist aber fraglich. "Das Internet bringt Unternehmen momentan eher einen Zusatznutzen", sagt Analyst Jansing. Abzuwarten bleibt, inwieweit die erfolgreichen Vermittlungen gesteigert werden können. Ein Vorteil für Firmen ist zweifellos die Kostenersparnis. Nach einer Mummert-Studie geben Unternehmen für eine Jobofferte im Internet im Vergleich zur Tageszeitung rund 50 Prozent weniger aus.

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