Zeitung Heute : Opel hofft auf Europa-Pakt

Konzern will sich von US-Firma GM lösen, die 31 Milliarden Dollar Verlust macht / Tausende protestieren

Henrik Mortsiefer

Berlin - Die Bundesregierung hat den amerikanischen Autokonzern General Motors (GM) aufgefordert, seine Pläne für die deutsche Opel-Tochter offenzulegen. Während zehntausende Opel-Beschäftigte am Donnerstag für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze und eine Loslösung von GM demonstrierten, veröffentlichte der US-Konzern dramatisch schlechte Geschäftszahlen. 2008 häufte GM einen Verlust von rund 31 Milliarden Dollar an.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte, dass der Staat Opel nur helfen werde, wenn ein zukunftsfähiges Unternehmenskonzept vorliege. „Dann kann man überlegen: Welche Art von Brücken sind notwendig.“ Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) forderte das GM-Management vor rund 15 000 Opel-Beschäftigten des Stammwerks Rüsselsheim auf, Verantwortung für die Zukunft der deutschen Tochter zu übernehmen. „GM hat lange viel und gut mit Opel verdient. Die europäischen Standorte jetzt wie eine ausgepresste Zitrone wegzuwerfen, das wäre unanständig“, sagte der SPD-Kanzlerkandidat. Um Opel retten zu können, müssten mindestens fünf europäische Staaten an einen Tisch gebracht werden: „Das ist nicht leicht. Dafür gibt es kein Vorbild.“

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sprach sich für einen Einstieg des Staates bei Opel aus. „Die Länder Thüringen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Hessen, die Opel-Standorte haben, könnten sich an dem Unternehmen beteiligen – zumindest temporär“, sagte Tiefensee dem „Hamburger Abendblatt“. Wirtschaftsminister Karl- Theodor zu Guttenberg (CSU) warf GM vor, zu wenig Informationen zu liefern. An diesem Freitag soll das Sanierungskonzept dem Opel-Aufsichtsrat vorgelegt werden. Guttenberg will danach die Regierungschefs der Bundesländer treffen, in denen Opel-Werke stehen. Opel hat in Deutschland mehr als 25 000 Mitarbeiter.

Bei der Kundgebung in Rüsselsheim forderte der Opel-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz die Trennung des Autobauers von der US-Mutter, die nur noch mit Staatshilfe überlebt. „Es gibt nur eine einzige Chance, die heißt Ausgliederung“, sagte er. Experten wie der Duisburger Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer halten Opel für überlebensfähig, wenn das Unternehmen in eine selbstständige europäische Aktiengesellschaft umgewandelt wird, an der sich die „Opel-Bundesländer“ sowie europäische Länder mit Opel-Standorten mehrheitlich beteiligen.

Opel benötigt für eine eigenständige Zukunft langfristig acht bis neun Milliarden Euro. Dieser Bedarf wurde laut dpa von GM- und Opel-Managern in den Verhandlungen über mögliche Staatshilfen genannt. Opel-Chef Hans Demant dementierte: „Diese Zahl ist mir völlig unbekannt, sie ist absurd hoch.“ Vom Bund wünscht Opel bisher Kredite oder Bürgschaften von rund 3,3 Milliarden Euro. Das Unternehmen prüft laut „Financial Times Deutschland“ auch den Verkauf seines Werkes in Eisenach. Als Käufer sei der Autokonzern Daimler im Gespräch.

Auch in Großbritannien, Schweden und anderen Ländern demonstrierten die Mitarbeiter der europäischen GM-Töchter. In Europa machte GM 2008 rund 2,3 Milliarden Euro operativen Verlust.

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