Opel : Wie unabhängig ist Roland Berger?

Unternehmensberater Roland Berger soll bei der Rettung von Opel helfen. Wie unabhängig ist er?

Stephan Haselberger[Thomas Magenheim] Ewald B. Schulte

Die Nachricht klang gut. Der Grandseigneur der Unternehmensberaterszene, Roland Berger, übernimmt für die Bundesregierung das Amt eines Koordinators beim Versuch der Rettung des Automobilherstellers Opel. Doch so stimmt die Nachricht nicht.

Richtig ist, dass Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg (CSU) während seines USA- Besuchs über die Möglichkeit, einen solchen Koordinator einzusetzen, gesprochen hat. Einen Kandidaten für das Amt nannte er dabei jedoch nicht. Richtig ist auch, dass die deutsche Opel-Zentrale in Rüsselsheim am Mittwoch mitteilte, dass sie die Firma Roland Berger Strategy Consultants damit beauftragt habe, an der endgültigen Erstellung jenes Konzeptes mitzuwirken, auf dessen Basis ein von der US-Mutter General Motors unabhängiges eigenständiges europäisches Unternehmen unter der Führung der Adam Opel AG entstehen soll. Der von Guttenberg angekündigte Job, die Bemühungen um einen Investor für die europäischen GM-Töchter aufeinander abzustimmen, sei – so die Rüsselsheimer weiter – in diesem Mandat ausdrücklich nicht enthalten.

Richtig ist schließlich, dass das Bundeswirtschaftsministerium am Mittwochabend erklärte, dass Roland Berger „seine nationalen und internationalen Kontakte sowie seine Erfahrung aus jahrelanger Tätigkeit als Unternehmensberater einbringen“ werde, um die komplizierten Fragen im Verhältnis zwischen Opel und General Motors zu lösen und die Suche nach internationalen Investoren für eine europäische Gesellschaft voranzutreiben. Dabei werde Roland Berger „eng mit den auf Regierungsebene eingesetzten Beauftragten zusammenarbeiten“.

Zwar ist auch hier keine Rede davon, dass die Regierung Roland Berger mit einem offiziellen Koordinationsmandat betraut hat. Dennoch bestimmt genau diese Lesart die darauf folgende Berichterstattung in den relevanten Medien. Für Beobachter ist klar, dass hier gezielt nachgeholfen wurde, um genau diese Interpretation zu verbreiten. Bloß: Wer war’s?

Der 71-jährige Roland Berger, den viele im Verdacht haben, hier die Strippen gezogen zu haben, äußert sich dazu nicht. Er lässt über die Firma in München, an der er selbst nur noch zehn Prozent hält, erklären, dass man – wie bei aktuellen Mandaten stets üblich – nichts zu einem eventuellen Mandat der Bundesregierung sagen werde. In solchen Angelegenheiten sei man grundsätzlich zur Verschwiegenheit verpflichtet. Daher äußere man sich auch nicht zu etwaigen Interessenkonflikten. Solche Konflikte leiten Berliner Oppositionspolitiker daraus ab, dass die Firma Roland Berger für GM Europe tätig sei und nun auch Roland Berger selbst als Person die Bundesregierung in Sachen Opel beraten solle. Zudem sitze die Person Roland Berger auch noch im Aufsichtsrat des italienischen Konzerns Fiat, der derzeit mit dem GM-Konkurrenten Chrysler über eine weitgehende Kooperation verhandle.

Diese Vorhaltungen von FDP und Grünen brachten das Guttenberg-Ministerium in Zugzwang: „Herr Berger hat einen Vertrag mit General Motors und nicht mit der Bundesregierung“, erklärt das Ministerium am Freitag. Er sei für die Bundesregierung in Sachen Opel lediglich „Ansprechpartner“, bezahlt werde er „eindeutig vom Unternehmen“. Was eben so falsch ist, denn wie ein Opel- Sprecher erklärt, hat der Autohersteller überhaupt keinen Vertrag mit der Person Berger abgeschlossen. In Anspruch genommen würden lediglich die Dienste der Beratungsfirma. Eine solche feinsinnige Trennung mag das Ministerium nicht nachvollziehen: Immerhin sei Berger an der Unternehmensberatung noch beteiligt, da müssten ihm die Aktivitäten der Firma schon zugerechnet werden. Genau deshalb komme in Sachen Opel eine Mandatierung der Person Roland Bergers für die Regierung auch nicht in Betracht, da die Berger-Firma ja schon für GM Europe tätig sei.

Roland Berger selbst sieht sich da schon seit längerem wesentlich freier. 2003 hat er sich mit dem Wechsel in den Aufsichtsrat aus dem operativen Geschäft seiner Firma zurückgezogen. Insoweit könne man sich auch gar nicht ins Gehege kommen. Womit aus seiner Sicht nichts dagegen spräche, wenn er sich selbst aktiv um ein Opel-Mandat der Regierung bemühen würde. Zumal dann, wenn er – wie verlautet – über die Möglichkeit einer solchen Zusammenarbeit mit Minister zu Guttenberg zumindest informell auch gesprochen haben soll.

„Es ist durchaus üblich, für mehrere Mandanten aus einer Branche tätig zu sein“, sagt der Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater, Christoph Weyrather. Viele Beratungsfirmen seien auf Branchen spezialisiert. Da lasse sich das gar nicht vermeiden, bei den Großen der Branche sowieso nicht. Es begründe sogar besondere Expertise, und Kunden kämen genau deswegen. Falls es heikel werde, zum Beispiel wenn parallel vertrauliche Strategien für Wettbewerber entworfen werden, arbeite man in getrennten Teams, die keinerlei Kontakt zueinander haben dürften. Das gebiete das Berufsethos. Ein Kollege von Weyrather bestätigt diese Praxis der „Chinese walls“, der Trennung vertraulicher Informationen in einer Unternehmensberatung. „Es kann immer passieren, dass sich Berater getrennter Teams auf dem Flur unterhalten“, räumt ein anderer ein. Die Hemmschwelle sei aber hoch, sonst sei man schnell raus aus dem Geschäft.

Die Frage ist, ob diese Regeln auch in der Person Bergers Anwendung finden. Er hat schon immer über alle Grenzen hinweg beraten, Politiker aller Lager eingeschlossen, angefangen von Gerhard Schröder (SPD) bis hin zu Edmund Stoiber (CSU), ohne dass die – geschweige denn er selbst – darin ein Problem sahen. Aus seiner Sicht völlig unproblematisch war es auch, als seine Firma beim Umbau der Bundesanstalt für Arbeit mit millionenschweren Beratungsaufträgen bedacht wurde, obwohl Berger-Mitarbeiter ausgerechnet in jener Hartz-Kommission mitgewirkt hatten, die den Behördenumbau als so eminent beratungsintensiv beschrieben hatte. Schließlich war die Konkurrenz von McKinsey hier ebenso aktiv – mit ähnlich lukrativen Erträgen.

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