Zeitung Heute : „Operation: Freiheit verteidigen“

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Die Bilder sind seit Erfurt sattsam bekannt. Weil auf dem Computer des Amokläufers die Kampfsimulation „Counterstrike“ lief, wurden sie inzwischen millionenfach publiziert und in Fernsehbeiträgen ausgestrahlt. Elitesoldaten, in geduckter Haltung ihr Ziel anvisierend und sich gegen mögliche Heckenschützen absichernd, davon hat man in den letzten Wochen genug gesehen. Oder auch nicht, denn die Faszination der jungen Männer für High Tech und Gefahr ist ungebrochen. „Operation: Freiheit verteidigen“ heißt ein Spiel, mit dem die US-Armee den martialischen Spieltrieb der Zielgruppe für die Nachwuchswerbung nutzen will. Allerdings mit einigen Einschränkungen. Denn verschickt wird das Spiel nur an 13- bis 34-jährige Amerikaner, die bekommen das Militärtraining dann aber immerhin umsonst, nachdem sie zuvor einen kleinen Fragebogen zur Person ausgefüllt haben. Noch mehr Hinweise über die Spieler erhält die Armee dadurch, welche der beiden Versionen des Spiels gewünscht wird. Wird nur die 3D-Kampfsimulation gewählt oder entscheidet sich der Spieler zugleich für das zweidimensionale Management-Tool ns „Soldiers: Empower Yourself“. Nicht um Action, sondern Rekruten-Schleifen – das Richtige für Offiziers-Anwärter.

Dass die Diskussion um Gewalt verherrlichende Computer- und Videospiele mit der Nicht-Indizierung von Counterstrike durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien noch nicht zu Ende ist, wie Jugendministerin Bergmann gestern in Bonn sagte, hat auch die E3 letzte Woche in Los Angeles gezeigt. Auf der Electronic Entertainment Expo, der größten Messe dieser Art, werden die Spielehits der kommenden Saison vorgestellt. Darunter die Fortsetzung eines echten Klassikers: „Doom“. In der dritten Version des Brutalo-Spiels kämpft der Ego-Shooter nach alt bekanntem Muster auf einer Mars-Raumstation gegen Monster und Zombies. Mit Horror-Effekten und Pixelblut wird nicht gespart, selbst einige Spieler zeigten sich nach der Präsentation in Los Angeles vom Realismus der grafischen Darstellung geschockt. Dass Doom 3 in Deutschland aller Vorausicht nach indiziert werden dürfte, ist nur ein schwacher Trost. Genau wie die Armee-Simulation gelangt auch solcher Stoff schnell via Internet an die interessierte Spielergemeinde. Kurt Sagatz

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