Zeitung Heute : Operation Kooperation

Christoph Marschall[Washington]

Die USA haben signalisiert, sie könnten sich Gespräche mit der iranischen Regierung über die Zukunft des Iraks vorstellen. Was erhofft sich die US-Regierung davon?


Der Blick der US-Öffentlichkeit auf Iran hat sich plötzlich verschoben. Die Sorgen um das Atombombenprogramm sind nicht vergessen, aber vorerst gilt die Aufmerksamkeit den angekündigten direkten Gesprächen über Irans Rolle im Irak – nach 27 Jahren ohne offizielle diplomatische Kontakte. Seit Tagen schon wirft die Bush-Regierung Iran eine destruktive Rolle dort vor. Teheran schüre den Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten, liefere Waffen sowie Baupläne für Bomben. Doch diese Vorwürfe bedeuten auch: Die USA müssen anerkennen, dass das schiitische Mullahregime Einfluss auf Iraks Schiiten, die größte Volksgruppe, hat.

Nach US-Medienberichten suchte der US-Botschafter in Bagdad, Zalmay Khalilzad, bereits seit Monaten den Kontakt zu Iran, um einen Bürgerkrieg im Irak zu verhindern. Der irakische Schiitenführer Abdul al Hakim übermittelte diesen Wunsch an Teheran. Die Mullahs sehen nun die Gelegenheit, durch offizielle Verhandlungen eine indirekte Anerkennung der USA zu erreichen. Genau das möchte die Bush-Regierung aber vermeiden. Man strebe Gespräche im Irak an, nicht Verhandlungen, das Thema sei „eng begrenzt“ auf Irans Rolle dort, betont Präsidentensprecher Scott McClellan.

Auch Bushs Sicherheitsberater Stephen Hadley bestritt bei der Vorstellung der neuen Vision der US-Sicherheitsstrategie einen Kurswechsel. „Wir reden doch die ganze Zeit miteinander“, sagte er: „Wir sagen öffentlich, was wir von Iran halten, und die sagen, was sie von uns halten.“ In dem Papier wird Iran als die „derzeit größte Gefahr“ für die US-Sicherheitsinteressen bezeichnet, Präsident Bush sagt aber auch, die Diplomatie habe Vorrang. Hadley betont, bei der Bekräftigung der „Präemption“ (vorbeugende Militärschläge) habe die Regierung nicht Iran im Sinn gehabt.

Die iranische Regierung frohlockt: Amerika habe endlich gemerkt, dass es gegen Teheran keinen Erfolg im Irak haben könne. Die US-Seite dagegen interpretiert das Gesprächsangebot so, dass Teheran auf die Isolierung reagiere. Man werde nicht zulassen, dass Iran die Gespräche als Störmanöver missbrauche, um vom Atomstreit abzulenken.

Unterdessen klären sich manche Verwirrungen um die Operation gegen Aufständische im Zentralirak; der Bombenanschlag auf die goldene Moschee in Samarra am 22. Februar hatte die Gewalt neu entfacht. Der am Donnerstag begonnene Einsatz von 1500 amerikanischen und irakischen Soldaten war nicht „der größte Luftangriff“ seit Kriegsende 2003, wie es vielerorts hieß. Gemeint war die größte „Luftoperation“ – im Unterschied zu weitaus größeren Bodenoffensiven gegen den Widerstand seit 2003. Zu harten Kämpfen kam es bisher offenbar nicht, 40 Aufständische wurden festgenommen.

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