Zeitung Heute : Operation Zahn: Übersicht: Die neuen Methoden

Bleaching. Die Einstiegsdroge in die Zahnrenovierung, soll Kaffee-, Rotwein- oder altersbedingte Verfärbungen beseitigen und funktioniert wie Haareaufhellen. Beim "Power-Bleaching" lässt der Zahnarzt 15 bis 30 Minuten eine hoch konzentrierte Peroxid-Lösung einwirken. Die hellt die Zähne um ein paar Nuancen auf und hält zwei bis drei Jahre. Noch weiß man nicht genau, ob das dem Zahnschmelz schadet. Kosten: 180 Mark pro Sitzung, bei abgestorbenen Zähnen 100 bis 120 Mark pro Zahn.

Home-Bleaching. Professionelles Bleich-Set vom Zahnarzt für zu Hause. Aber nicht übertreiben, sonst wirken die Zähne schnell transparent und an den Schneidekanten bläulich. 450 Mark pro Kiefer.

Billig-Bleich-Sets. In der Drogerie erhält man ein Mundwasser zur Vorbereitung, eine Peroxid-Lösung und eine Zahnschiene, in die das Bleichmittel gefüllt wird. Horrorgeschichten von halb aufgelösten Gebissen muss man nicht glauben. Eher ist die Peroxidkonzentration zu gering, als dass sie überhaupt wirkt. Meist legt sich ein Farbstoff auf die Zähne, der übertüncht und nur wenige Tage hält. Außerdem schluckt man wegen der undichten Standardzahnschiene eine Menge Chemie. 20 Mark pro Set.

Weißmacherzahnpasten & Kaugummis. Helfen nur bei oberflächlichen Verfärbungen und nicht dauerhaft. Die Stiftung Warentest beurteilte die Blend-a-med Medicweiß und Colgate Sensation White mit "Sehr gut". Umstritten ist, ob sie den Zahnschmelz schädigen. Bleichkaugummis hingegen gelten als ungefährlich und so wirksam wie ein klassisches Kaugummi. Eine bis fünf Mark.

Veneers. Hauchdünne Keramikschalen, die auf die Zähne geklebt werden und bis zu 15 Jahre halten. Geeignet bei deformierten oder verfärbten Frontzähnen, nicht bei gesunden: Vor dem Aufkleben wird Zahnschmelz weggeschliffen. 1600 bis 1800 Mark pro Zahn.

Laminate. Ganz neu und die einzige Verblendtechnik, bei der der Zahn nicht mehr beschliffen werden muss. 0,2 Millimeter dünne Porzellanschalen werden auf die Zähne geklebt, Übergänge zum Zahnfleisch sind nicht mehr sichtbar. 1600 Mark pro Zahn.

Zahnfleischkorrekturen. Ein unharmonisches Verhältnis von Zahn und Fleisch wird chirurgisch korrigiert: Überflüssiges Zahnfleisch ("Gummysmile") wird mit Mikroskalpellen entfernt. Bei Zahnfleischmangel wird eigenes Zahnfleisch an unsichtbarer Stelle entnommen und über den freiliegenden Zahnhälsen angenäht - narbenfrei. Beide Operationen ambulant. 500 bis 800 Mark pro Zahn.

Komposite. Ein Komposit ist ein formbares Kunststoff-Keramikgemisch, das direkt am Zahn des Patienten verarbeitet wird. Inzwischen so weit entwickelt, dass es nicht nur als Füllmaterial im Frontzahnbereich eingesetzt wird: Komposite können auch abgebrochene Schneidezahnecken ersetzen, ungewöhnlich kleine Zähne ihrer Umgebung anpassen und Lücken schließen. 260 Mark pro Füllung.

Vollkeramikkronen. Eignen sich für Front- und Seitenzähne und halten den stärksten Belastungen stand. In die Keramikmasse werden Farbpartikel eingelagert, neue und alte Zähne sind kaum noch unterscheidbar. 1500 Mark pro Zahn.

Keramikinlays. Sind heute so kaustabil, dass sie Goldfüllungen auch bei tiefen Löchern und Backenzahnruinen ersetzen. Je nach Größe und Aufwand zwischen 1200 und 2200 Mark pro Zahn.

Implantate. Die Königsdisziplin der Zahnheilkunde und eine Alternative zu wackelnden Prothesen und Haftcreme-Versagen: Wenn einer, mehrere oder alle Zähne eines Kiefers verloren sind, wird ein Titan-Anker in den Knochen gepflanzt. Nach einer dreimonatigen Einheilphase wird der Keramikzahn aufgeschraubt und selbst vom Fachmann kaum noch als solcher erkannt. 2000 bis 2500 Mark pro Zahn.

Schmerzfrei bohren. Carisolv-Gel weicht kariöses Dentin im Zahn auf. Nach kurzer Einwirkzeit wird die Karies einfach weggeschabt. 35-50 Mark pro Zahn, leider arbeiten nur sehr wenige Zahnärzte damit. Beim Pulverstrahlbohren wird Quarzsandpulver auf die kariösen Stellen geschossen und gleich wieder abgesaugt. Nachteil: Nur gut zugängliche Stellen können erreicht werden. 20 bis 40 Mark pro Zahn.

Brackets. Seit Zahnspangen ein Schmuckwert zuerkannt wird, lässt sich immerhin jeder 20. Deutsche nicht davon abschrecken, noch mal ein bis zwei Jahre wie ein Grundschüler auszusehen. Die neuen High-Tech-Spangen können auch noch bei Erwachsenen gegen Schiefstellungen helfen und je nach Geschmack entweder fast unsichtbar an der Innenseite der Zähne angebracht oder mit speziellen Accessoires verziert werden. Vier bis 8000 Mark, die die Krankenkasse nur selten bezahlt.

Zahnschmuck. Aus der Londoner Rap- und Hip-Hop-Szene kommend, lösen Twinkles (glitzernde Schmucksteine) und Dazzler (Goldfolien in Form von Herzen, Sternen, Totenköpfen etc.) nicht nur bei konservativen Zahnärzten Kopfschütteln aus. Sie werden in der Praxis auf den Zahn geklebt und gehen bei normalem Gebrauch nicht ab, können vom Arzt aber jederzeit ohne Schaden wieder entfernt werden. 120 bis 150 Mark mit Montage, echte Diamanten teurer.

High-Tech-Zahnbürsten & Pasten. Am besten gegen Zahnbelag hilft einer Studie der Universität Jena zufolge die Braun Oral-B Plak-Control. Platz zwei die Schallwellenzahnbürste Sonicare (30 000 Bürstenkopfschwingungen pro Minute, um 300 Mark). Zahnpasten sollten Amin- und Zinnfluorid enthalten, Wissenschaftler der Uni Hamburg empfehlen Meridol, Colgate Total und Blend-a-med complete.

Low-Tech-Zahnpflege. Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation hat gezeigt, dass bei Menschen, die regelmäßig Kauhölzchen benutzen, weder Karies noch Pa- rodontose auftreten. Durch das Beißen zerfasert das Holz und legt sich zwischen die Zahnspalten, wo es reinigt und das Zahnfleisch massiert. Außerdem werden antibakterielle Substanzen freigelegt. Für fünf Mark in Asienläden und arabischen Geschäften. Ein aus dem Orient überliefertes Zahnpflegemittel ist Kardamon: Das Gewürz befreit die Zähne von Verfärbungen und sorgt für frischen Geschmack. Einfach auf die befeuchtete Zahnbürste geben und bürsten. 50 Gramm für sechs Mark in Supermärkten und Naturkostläden.

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