OPER„Kleist“ von Rainer Rubbert und Tanja Langer : Surrealer Bilderbogen

Peter Buske

„Welch eine Herausforderung! Heinrich von Kleist, dieser ,Seele von Mensch’, ein Gesicht zu geben. Diesem ,Leidenschaftler zwischen Weltumarmung und Freitodverabredung’ einen dreidimensionalen Körper zu verleihen. Eine Stimme, die zudem noch singt.“ Was ihm selbst höchst spannend erschien, hat Regisseur Bernd Mottl in einer packenden Uraufführung der „Kleist“-Oper am Brandenburger Theater umgesetzt. Rainer Rubbert schrieb die Musik, Tanja Langer das Libretto, das die Lebensgeschichte Heinrich von Kleists klar und überschaubar in vier Bildern erzählt.

Ist der Dichter zunächst in seiner Beziehung zu seinem Freund Ernst von Pfuel zu erleben, zeigt ihn die zweite Szene in einem der Berliner Salons. In Gefangenschaft, dem dritten Bild, erscheinen ihm die Gestalten seiner Stücke so plastisch, als wären sie gerade seinem Kopf entsprungen. Das vierte Bild schließlich zeichnet auf stille, sehr poetische Weise seinen Abschied vom Leben nach, den er im November 1811 gemeinsam mit seiner Gefährtin Henriette Vogel in freier Entscheidung nahm. Mottls Inszenierung überzeugt durch theatralische Anschaulichkeit, die jegliches Plakative meidet. Es ist das Drama eines Außenseiters, dargestellt als surrealer Bilderbogen, der sich dem Zuschauer gut erschließt. Die Zerrissenheit der Kleistfigur ist von Rainer Rubbert musikalisch kongenial umgesetzt worden. Eine ergreifende Musik mit schönen Melodiebögen und kompositorischen Finessen, gespielt von den Brandenburger Symphonikern unter Michael Helmrath. In der Titelrolle brilliert Bariton Thorbjörn Björnsson (Foto, oben). Peter Buske



Hans Otto Theater, Gastspiel des Brandenburger Theaters, Sa 5.4., 19.30 Uhr, 38/25/15 €

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