Zeitung Heute : "Opinion Leader": "Die Medienwirtschaft ist die Job-Maschine der Zukunft"

Ulrike Simon

"Die Medien sind der Motor der Wirtschaft", verkündete Hubert Burda, Präsident des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger, am Donnerstag in Berlin. Sichtlich stolz wies er in Anwesenheit von Bundeskanzler Gerhard Schröder darauf hin, dass die Medienwirtschaft bei der Schaffung von Arbeitsplätzen die Autoindustrie abgelöst habe. Schröder revanchierte sich mit Zusagen: Er werde sich weiterhin dafür einsetzen, dass für legale Produkte auch legal geworben werden dürfe. Und er werde sich für mehr Selbstregulierung stark machen, um ein Übermaß an Verordnungen verhindern.

"Print oder Fernsehen, wer hat die Meinungsführerschaft?" lautete das Thema der vorangehenden Podiumsdiskussion. Ist jenes Medium Meinungsführer, das die höchste Quote oder die höchste Auflage hat? Oder jenes, in dem Themen früh erkannt werden und das in der Gesellschaft Debatten anschiebt? Die Antworten sollten Gäste liefern, die allesamt sowohl für gedruckte als auch für elektronische Medien stehen: RTL-Chefredakteur Hans Mahr, der seine Laufbahn bei der Zeitung begann; Claus Larass, Nachrichtenvorstand der ProSieben Sat 1 Media AG, früher "Bild"-Chef und Vorstand des Axel Springer Verlages. Tagesspiegel-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo, seit Jahren Moderator einer TV-Talkshow; Manfred Bissinger, "Woche"-Chefredakteur und Moderator einer Politsendung. Selbst Sandra Maischberger, die die Diskussion leitete, kennt beide Seiten - den gedruckten und den Fernsehjournalismus. Nur "Welt"-Chef Wolfram Weimer hat keine Fernseherfahrung, seine Zeitung steht jedoch für die enge Verzahnung mit dem Internet. Verwunderlich nur, dass die Zeitschriftenverleger keinen einzigen Zeitschriften-Macher eingeladen hatten. Entsprechend entwickelte sich die Debatte zum allgemeinen Austausch zwischen gedruckten und elektronischen Medien.

Der große Vorteil von Printmedien bestünde darin, dass sowohl Radio nebenbei gehört als auch Fernsehen nebenbei geschaut werden könne, sagte der Kommunikationswissenschaftler Klaus Schönbach in seiner Eingangsrede: "Nebenbei zu lesen, das geht nicht". Der Vorteil bestünde darin, dass Print hier keinem Wettbewerb ausgesetzt sei. Doch sind die gedruckten Medien für Information und Hintergründe zuständig und das Fernsehen für die Unterhaltung? So genannte "Opinion Leader", Meinungsführer, lesen überdurchschnittlich viel und sehen unterdurchschnittlich fern, behaupten Studien. Natürlich sei das so, bestätigte Bissinger, "woher sollen sie ihr Wissen denn beziehen? Aus dem Fernsehen sicher nicht". Information und Entertainment sei nicht strikt zu trennen, widersprach Weimer: Das eine Medium arbeite mit der Magie des Wortes, das andere mit der des Bildes. In der Tat biete die Zeitung heute mehr Unterhaltung als vor dreißig Jahren, sagte Larass und begrüßte diese Entwicklung. Denn eine Zeitung müsse auch sinnlich sein und mehr bieten als die Pflicht der Information, stimmte di Lorenzo zu. Das Internet sei für Zeitschriften die größere Herausforderung, lautete die einhellige Meinung. Widerspruch kam dazu keiner. Die Zeitschriftenverleger hatten sich aufs Zuhören verlegt.

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