Zeitung Heute : Optimistische Makler: Gute Stimmung - mäßiger Markt

Ines Aßmann

"Der Immobilienmarkt zeigt nach oben. Wir Makler sind optimistisch", so eröffnete Wolfgang Gruhn, Landesvorsitzender des Rings Deutscher Makler Berlin-Brandenburg, eine Pressekonferenz zur Lage des Berliner Immobilienmarktes. In die heitere Stimmung hatte ihn der "Immobilienpreisspiegel 2000 / 2001 für Berlin und Brandenburg" versetzt. Auch der vereidigte Sachverständige Ulrich Springer stellt eine steigende Nachfrage in bestimmten Marktsegmenten fest. Und Immobilienhändler Willi Bendzko hält den von den Experten eingeräumten Leerstand für "erträglich". Im Bericht selber ist von einer positiven Entwicklung allerdings nur in attraktiven Wohngebieten zu lesen.

Weiter gesunken ist der Preis des Baulandes für Einfamilienhäuser: um durchschnittlich fünf Prozent. Nur in guten Lagen wie Dahlem, Grunewald oder Pankow-Niederschönhausen sei der Preis stabil. Ähnlich ist die Entwicklung bei Wohnimmobilien: Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen im Berliner Speckgürtel sind um bis zu zehn Prozent billiger als im Vorjahr. Nur in guten und sehr guten städtischen Wohnlagen und bei hoher Ausstattungs-Qualität sind die Preise stabil. Hier rechnet der Bericht sogar mit einem Anstieg der Preise.

Anders verhält es sich mit dem Bauland für Mehrfamilien- und Mietshäuser: "Das ist ein mausetoter Markt," sagte Eugen Schnoor, Vorsitzender des Bewertungsausschusses. Durch den hohen Berliner Bestand an Mietshäusern und die Streichung von Förderungen sei hier kein Geld mehr zu verdienen. Auch der Handel mit bereits gebauten Mietshäusern verlaufe schleppend. Eine Besserung der Situation sei nicht in Sicht. Nur in Einzellagen wie dem Käthe-KollwitzPlatz in Prenzlauer Berg seien Mietshäuser noch gefragt. In den meisten Stadtgebieten aber profitierten die Nutzer von günstigen Mieten. Nur im Westteil Berlins müssten sie mit einem leichten Anstieg rechnen.

Den Markt für Gewerbeimmobilien beurteilen die Experten als gefestigt. Die Mieten für Büros und Läden in guten Lagen zögen deutlich an und in der Stadtmitte sei mittefristig mit einem Boom zu rechnen.

Eine ähnliche Entwicklung wie in Berlin sei auch auf dem Potsdamer Immobilienmarkt zu beobachten. Allerdings steigen die Büro- und Ladenmieten in Zukunft nur schwach. Problematisch bleibt die Lage in den weiter von Berlin entfernten Gebieten Brandenburgs. "In diesen strukturschwachen Gegenden findet kein Immobilienmarkt mehr statt", sagte Gutachter Springer lapidar. Gut entwickeln sich die Wohngiete im Berliner Speckgürtel. Hier bestimmten die "westdeutschen Zuwanderer" den Markt. "Wer in Zehlendorf nichts findet zieht nach Kleinmachnow", so Springer. Auch die per Bahn günstig angebundenen Orte Brandenburgs bleiben attraktiv. Gruhn ließ sich in seiner Euphorie denn auch kaum noch bremsen. Berlin als Stadt der Medien, der High-Tech-Industrie und der Forschung vor Augen, prophezeit er: "In spätestens zehn Jahren wird man über die Immobilienschieflage lachen."

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