Zeitung Heute : Optisches Spiel

Aus niedrigen Hecken lassen sich kunstvolle Knotenornamente anlegen

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Die Heckenbänder vermitteln dem Betrachter die Illusion, dass sie sich umeinander schlingen, was natürlich nicht möglich ist....

Wer einen Knotengarten anlegt, geht den Weg zurück in die Zeit der Renaissance. In England entstanden im 16. Jahrhundert erstmals diese Gärten, in denen aus niedrigen Hecken kunstvolle Knotenornamente geformt wurden.

Knoten begleiten die Geschichte der Menschheit seit ihren Anfängen. Aus Knoten entstanden Schlingen für die Jagd, Netze für den Fischfang, wie Kristin Lammerting in ihrem Buch „Knotengärten“ ausführt. Selbst Gebäude wie die Pfahlbauten am Bodensee sind ohne Knoten, die Pfähle zusammenhalten, undenkbar.

Und da sauber geknüpfte Knoten auch ästhetische Qualität besitzen, gehören Knotenmuster in allen Kulturen rund um die Welt zu den frühen Schmuckornamenten, die Mosaikfußböden, Steinstelen, Amulette, Kleidung und vieles andere zieren.

Von dort hinaus in den Garten war es nur ein kleiner Schritt, den der englische König Heinrich VIII. und seine wohlhabenden Zeitgenossen vollzogen. Knotenmuster waren im damaligen England ohnehin modern.

Wirklich umeinander schlingen konnten die niedrigen Hecken sich natürlich auch damals nicht. Es ist ein optisches Spiel, das die eine Hecke scheinbar unter der anderen hindurch oder darüber hinwegziehen lässt. Von oben betrachtet wirkt die Illusion am stärksten, daher wurden Knotengärten vorzugsweise in Hausnähe angelegt, wo der Blick aus dem Fenster auf sie fallen konnte.

Auch „Hampton Court Palace“ legte Kardinal Wolsey mit dem neuen Gartenelement an. Zu immer raffinierteren Knoten verschlangen sich die niedrigen Hecken. Als Wolsey in Ungnade fiel, bezog Heinrich voll Vergnügen Schloss und Garten zusammen mit seiner ihm frisch angetrauten zweiten Frau Anne Boleyn. Wenig später konnten beide aus den Schlossfenstern auf Knotenornamente blicken, die sich zu ihren Initialen verschlangen.

Das Vorbild Heinrichs machte Schule, denn Knotengärten ließen sich auch in kleinen Landhausgärten realisieren. Bücher wie Thomas Hills „The Gardeners Labyrinth“ gaben schon damals Hilfestellung bei der Anlage. Sie empfahlen Lavendel, Ysop, Bohnenkraut, Thymian und Gamander, um daraus duftende Heckenbänder zu schneiden. Auch Eibe und niedrige Wacholder empfanden sie als geeignet. Nur Buchsbaum lehnten sie ab. Er roch ihnen zu streng. Erst im 17. Jahrhundert heißt es „boxe is the best“, und seither ist Buchsbaum tatsächlich das Beste für die Heckenbänder. Die Räume zwischen den Bändern füllten Sommerblumen oder farbige Erde und Kies.

Auch über den Kanal schwappte die Idee des Knotengartens. Zu einem der Höhepunkte der Knotenlust wurde der Garten des Heidelberger Schlosses. Bauherr Kurfürst Friedrich V. hatte 1613 eine Enkelin Maria Stuarts geheiratet. Sie sollte in seinem Schlosspark ein Stück England vorfinden.

Das Barock löste die Zeit der Renaissance ab. An die Stelle der Knotengärten traten Broderie-Parterres. Nur bei den Briten hielt sich noch der eine oder andere Knotengarten – als bestauntes Relikt aus alter Zeit. Aber das sollte sich durch die Gartenplanerin und -autorin Rosemary Verey ändern. Sie begann den Garten von Barnsley House, seit dem 17. Jahrhundert Familienbesitz ihres Mannes, zu restaurieren und legte zwei Knotengärten an. Damit löste sie eine neue Welle der Knotengarten-Begeisterung aus. Menschen in Neuseeland und Australien, in Frankreich und den Niederlanden, in Deutschland und natürlich in England ließen sich mehr und mehr davon anstecken – und verhalfen dem Knotengarten zu neuer Blüte. dpa/Tsp

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