Zeitung Heute : Oranienburg: Schwitzen im Sand und in der Banja

Claus-Dieter Steyer

Während in Berlin zahlreiche öffentliche Bäder geschlossen werden müssen, wird im Umland der Badespaß kultiviert. Nicht nur die Thermalbäder in Templin, Bad Saarow und Bad Wilsnack melden immer neue Besucherrekorde. Auch die in den vergangenen Jahren eröffneten Spaß- und Erlebnisbäder in Fürstenwalde, Luckenwalde, Lübbenau, Schwedt, Wittenberge oder Brandenburg / Havel verzeichnen eine überaus rege Nachfrage. Das jüngste Glied in dieser Kette heißt "Erlebniscity Oranienburg".

Rund 26 Millionen Euro hat der äußerlich kühl und deshalb nicht gerade einladend wirkende Sporttempel in der Nähe des S-Bahnhofes gekostet. Die Summe erscheint in einer Zeit des Sparens und Jammerns über leere öffentliche Kassen fast unglaublich, zumal kein privater Investor daran beteiligt ist. Tauchen die Besucher also etwa nur dank des Soli-Zuschlages oder der Transferzahlungen aus dem Westen im warmen Wasser unter? "Keineswegs", sagt der kaufmännische Geschäftsführer Wolfgang Schneider. "Wir haben überhaupt keine Fördermittel des Landes erhalten. Oranienburg gehört in der Landesplanung zum Speckgürtel, der angeblich keine starke Unterstützung mehr braucht." Die "Erlebniscity" sei eine Tochterfirma der Stadtwerke, die den Bau vornehmlich über Kredite finanzierte.

Was nach manchen Verzögerungen nun geboten wird, gibt es nirgendwo in Berlin oder sonst in Brandenburg. Vom Erlebnisbad und Fitnessclub bis zum Bowling, Kegeln und Sandsportplätzen reicht die Liste der Angebote. Natürlich steht das "nasse Element" im Vordergrund: Wellenbecken, einen separaten Schwimmbereich mit 25-Meter-Bahnen und Sprungturm sowie kleinere Badeinseln für Kinder. Die freuen sich besonders über eine 80 Meter lange Rutsche und einen Wasserfall. Im Solebecken fühlen sich auch Ältere wohl.

"Wir können in Oranienburg zwar keine unterirdische Thermalquelle anzapfen, aber auf die gesundheitsfördernde Wirkung von leicht salzigem Wasser braucht dennoch niemand zu verzichten", erklärt Geschäftsführer Schneider. Man löse einfach Salzwürfel aus Leinethal im 34 Grad Celsius warmen Wasser auf, so dass ein dreiprozentiger Sole-Anteil hergestellt werde. Die Badegäste gleiten - von künstlicher Strömung sanft gelenkt - ins Freibecken. Wer seinen Kopf weit genug aus dem Wasser streckt, erblickt den Lehnitzsee. Das Ufer liegt nur einige hundert Meter weit entfernt.

Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke hofft "auf viele Besucher aus der nahen Großstadt". Neben dem frisch restaurierten Oranienburger Schloss und der Eisarena biete seine Stadt nun einen weiteren Anziehungspunkt. Selbst der Name "Erlebniscity" ziele auf die Berliner. Sie sollten nicht das Gefühl haben, aufs Land zu fahren, sondern eben in eine neue, kleine Stadt.

Der Erlebnistempel bietet neben der üblichen Saunalandschaft auch einen ganz besonderen Schwitzkasten: eine original weißrussische Banja. Ins Schwitzen kommen auch die Fußballer, Handballer und Badminton-Spieler in der Beach-Halle. Die dank der Fußbodenheizung warme, 40 Zentimeter dicke Sandschicht soll zusammen mit Palmen, hellem Licht und einer Karibik-Bar Strandatmosphäre verbreiten. Eine Herausforderung: die 15 Meter hohe Kletterwand.

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