Zeitung Heute : Orientierung am Kunden bringt den Aufschwung - 5,5 Prozent mehr Übernachtungen von Januar bis Mai

Horst Schwartz

Mit dem Deutschland-Tourismus geht es aufwärts: Von Januar bis Mai dieses Jahres wurden 5,5 Prozent mehr Übernachtungen ausländischer Gäste als im Vergleichszeitraum des Vorjahres registriert. Um den gleichen Prozentsatz wuchs auch die Übernachtungszahl deutscher Gäste.

Die Entwicklung führt die Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT), seit dem Vorjahr auch für das Inlandsmarketing - also für die Werbung in Deutschland um deutsche Urlaubsziele - zuständig, auf drei Faktoren zurück: Die Übernachtungszahlen im Kurbereich sind wieder gestiegen, der schneereiche Winter hat deutschen Winterzielen ein hohes Plus gebracht, und auch der anhaltende Boom im Städtetourismus, unterfüttert "von einer schier unglaublichen Zahl von Events", bescherte deutschen Zielen ebenfalls steigende Übernachtungszahlen, so die DZT-Vorstandsvorsitzende Ursula Schörcher. "Positiv macht sich auch bemerkbar, dass in deutschen Landen immer mehr kundengerechte erlebnisorientierte Angebote zu buchen sind."

Was die Deutschland-Bewerber besonders freut: Bei den Zuwächsen handelt es sich anscheinend nicht um punktuelle Erscheinungen, die positive Entwicklung ist flächendeckend. Sämtliche Bundesländer liegen im Plus. Überdurchschnittliche Zuwachsraten verbuchten Mecklenburg-Vorpommern (16 Prozent), Thüringen mit 12,9 Prozent und Brandenburg mit 7,6 Prozent. In der von der DZT vorgelegten Statistik fehlt lediglich das Bundesland Schleswig-Holstein. "Das Statistische Landesamt war nicht in der Lage, rechtzeitig Zahlenmaterial vorzulegen", klagt Ursula Schörcher.

Starke Zuwächse beim nicht gerade billigen Winter- und Skiurlaub und beim Gesundheitsurlaub brachten den Heilbädern ein Übernachtungsplus von 4,9 Prozent, den Seebädern, Luftkurorten sowie Erholungsorten ein Plus von 5,8 Prozent bei den Inländer-Übernachtungen. "Einige Bäder wie Bad Wildungen mit einem Plus von 18 Prozent haben ihre Hausaufgaben gemacht und erlebnisorientierte Angebote entwickelt", freut sich Ursula Schörcher. "Bei anderen Orten dauert die Entwicklung etwas länger. Doch es gibt ein Umdenken."

Die DZT, die bei der Inlandswerbung eng mit touristischen Leistungsträgern wie Bahn oder Reiseveranstaltern zusammenarbeitet, ist davon überzeugt, dass "Deutschland als Sommerreiseziel endlich konkurrenzfähig" ist. Das habe eine Umfrage bei den Kooperationspartner ergeben. Bei allen Veranstaltern mit Deutschlandprogrammen stieg die Zahl der buchbaren Inlandsangebote in der laufenden Sommersaison deutlich. Schrittmacher sind die Reisegiganten. Neckermann Reisen ist erstmals mit einem eigenen Deutschlandkatalog auf den Markt gekommen, die TUI hat die Deutschlandpräsenz im Katalog um zehn Prozent ausgebaut. Die Veranstalter erwarten Buchungszuwächse von bis zu 25 Prozent. Auch die Landesmarketing-Organisationen, die ebenfalls zunehmend Pauschalreisen und Erlebnisangebote auf den Markt gebracht haben, melden Steigerungen, die teilweise im zweistelligen Bereich liegen.

Vom Boom profitieren auch die Reisebüros, denn von Januar bis April wurden sieben Prozent mehr touristische Teilleistungen wie Bahnanreise, Unterkunft oder Mietwagen in Reisebüros gebucht. Die Zahl der gebuchten Pauschalreisen wuchs kometenhaft um 23 Prozent. Dieser Entwicklung entspricht der Rückgang selbstorganisierter Inlandsreisen um fünf Prozent und der Rückgang von Ferienreisen ohne Vorausbuchung um 14 Prozent.

Im kommenden Jahr wird die DZT fortsetzen, was sie "Public private partnership" nennt: die Kooperation mit den Marketingorganisationen aller Bundesländer, der Reiseindustrie und der Wirtschaft. Die Bahn zahlt in den gemeinsamen Deutschland-Werbetopf eine Million Mark ein, diverse Veranstalter leisten Beiträge in noch nicht bekannter Höhe, die Länder beteiligen sich am Inlands-Marketing der DZT mit 3,5 Millionen Mark. Der Bund schießt eine Million Mark zu, verschont aber andererseits die DZT nicht bei den Sparanstrengungen: Lag der Bundeszuschuss für die Deutschland-Werber in diesem Jahr noch bei 41,6 Millionen Mark, werden es im kommenden Jahr nur 39,6 Millionen Mark sein. "Davon ist die Deutschlandwerbung nicht betroffen", versichert Ursula Schörcher. Die Kürzung des Etats sei zu kompensieren.

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