Zeitung Heute : Orthografie-Nachhilfe im Internet

Klaus Angermann

Viele Leser mag es bei der täglichen Zeitungslektüre neuerdings ordentlich schütteln. Seit August begegnen ihnen nun bei fast allen Zeitungen dank der Umsetzung der Rechtschreibreform bekannte Streitobjekte wie Schifffahrt oder Delfin und Restorant. Was ABC-Schützen schon seit gut drei Jahren in einigen Grundschulen lernen, durchdringt immer mehr Bereiche des täglichen Lebens und hinterlässt sogar im Internet seine Spuren.

Das elektronische Magazin Telepolis beispielsweise ist sich noch uneins, nach welchen Regeln geschrieben wird. Artikel finden sich sowohl in der neuen als auch in der alten Schreibweise. Diese Freiheiten haben zumindest Autoren der Tagespresse nicht mehr. Was also tun, wenn man einen Text in der neuen Schreibweise verfassen soll, aber weder das neue Office 2000 noch StarOffice besitzt, die Texte aber serienmäßig nach der reformierten Schreibweise prüfen will? Für Anwender der vielgenutzten Textverarbeitung Word bietet Microsoft daher unter der Adresse www.eu.microsoft.com/germany/office/word/rechtsch.htm eine Datei an, mit der sich die automatische Rechtschreibprüfung ab Office 95 auf den neuesten Stand bringen lassen soll.

Wer sich jedoch weder auf solche elektronischen Wörterbücher verlässt, noch sich durch dicke Rechtschreib-Wälzer arbeiten möchte, findet auch im Netz interessante Adressen zum Thema Rechtschreibreform. Für Schreiberlinge, die sicher gehen wollen, dass sie auch wirklich "reformierte" Artikel produzieren, hat die Nachrichtenagentur "dpa" den passenden Link parat: Unter www.dpa.de/info/rechtschr/rs-index.htm gibt es zum Herunterladen Angaben, welche Neuschreibungen von den Agenturen übernommen werden.

Bis 2005, wenn die Übergangszeit von alter zu neuer Schreibweise vorbei ist, gilt es, sich gut vorzubereiten. Eine gute Anlaufstelle dafür ist das Institut für Deutsche Sprache in Mannheim. Dort wird auch unter www.ids-mannheim.de/reform das amtliche Regelwerk als Hypertext angeboten. Außerdem gibt es Regelerläuterungen und Beispiele, die neue Schreibweisen erklären sollen. Besonders Wissensdurstige finden bei der Gesellschaft für deutsche Sprache im Netz eine geradezu erschlagende Literaturliste der wichtigsten Publikationen zur Rechtschreibreform seit 1995.

Natürlich bietet auch der Duden seine Hilfe über das WWW an. Unter www.duden.de/rechtschr60/rechtschr60-inhalt.html gibt es einen Crash-Kurs, der mit 30 Schritten in 60 Minuten neuschreibtauglich macht. Passiert es dennoch, dass man auf ein Schreibproblem keine Lösung findet, wird einfach das Online-Angebot vom Bertelsmann Lexikon Verlag bemüht. Neben vielen Infos gibt es die Möglichkeit, die Frage einfach über das Internet an den Verlag zu schicken. Bertelsmann verspricht dann eine Antwort per E-Mail.

Schnelle Online-Hilfen sollen dem User jederzeit die richtigen Schreibweisen ausspucken. Die Suchmaschine Lycos hat ein kleines Lexikon unter news.lycos.de/ndr/ge. Eine weitere Möglichkeit ist der etwas umständliche Online-Konverter namens "Neuschreiber" der Fern-Uni Hagen, der automatisch korrekte und nach der alten Schreibweise verfasste Texte in die neue konvertieren soll.

Etwas spielerischer kann man seine vermeintlich guten Kenntnisse testen. Das ZDF bietet ein Gewinnspiel rund um die Neuschreibung an. Einziges Problem: Schon vor den Hauptgewinnen (Duden und Konverterprogramme) muss man so fit in der neuen Schreibweise sein, dass die Gewinne vielleicht gar nicht mehr nötig sind.

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