Zeitung Heute : Oscar

Rinderfilet mit Pommes

Elisabeth Binder

Oscar, Brandenburgische Str. 22, Wilmersdorf, Telefon: 50 59 63 66, geöffnet täglich außer montags ab 17 Uhr.

Die Idee klingt platt, um szenig zu sein. Man hängt ein paar Filmplakate an die Wand, so à la „Dolce Vita“ oder Robert Redford & Co., nennt das Lokal „Oscar“, stellt einen Kellner ein, der ein bisschen an den jungen Oskar Werner erinnert und setzt ein paar Tapas auf die Karte. Es scheint trotzdem zu funktionieren. Die Draußenplätze sind ganz hübsch gestaltet, in bequemen Sesseln liegen dunkelrote Decken gegen spätabendliche Frösteltemperaturen, innen gibt es Kerzen und rote Rosen auf den Tischen. Es gibt Baguette mit Kräuterbutter, ordentlichen Prosecco vorweg (3,80 Euro) und einige Charmeoffensiven des Kellners.

Den „Wellness-Salat“ gibt es, wenn das gewünscht ist, auch als halbe Portion: Ineinander vermischt sind dunkle Weintrauben, Tomaten, Erdbeerschnitzel, Gurken, Apfelspalten, Paprika, Apfelsinenfilets, Salatblätter und Senfdressing. Dazu gibt es ein zart gebratenes Hähnchenfilet und eine Garnele. Wohlfühlfaktor: befriedigend. Die Zutaten waren immerhin frisch, das Dressing so gewürzt, dass es auch mit dem Obst harmonierte, so dass die Mischung krampfiger klingt, als sie schmeckte (12,50 Euro für eine ganze Portion). Unter den Tapas werden die angenehm holzfreien Artischockenherzen in „schwarzem Olivenöl“ angeboten. Das Öl ist dann doch von einer gesunden lindgrünen Farbe, die sich dezent unter einer würzigen Pesto-Verdunklung verbirgt (2,60 Euro).

Das im Bananenblatt gegarte Zanderfilet war saftigweiß, dazu gab es frisches Zucchinigemüse, mit Safran aufgebrezelten Reis und eine Zitronensauce, die nicht suchterzeugend, aber essbar war. Statt des großen Rinderfilets mit Sauce Béarnaise, Spinat und Rosmarinkartoffeln brachte der Kellner dann das kleine Filet mit Kräuterbutter und Pommes Oscar an. Salat und Gemüse fehlten ganz. Austauschen mochte er das trotz Reklamation nicht, brachte allerdings in einer extrem bedenklichen Geschwindigkeit die Sauce nach. Von einer superspeziellen Gewürzmischung auf den etwas aufgepumpten Oscar-Pommes war auch nicht viel zu spüren, immerhin waren sie schön salzig, und ein bisschen Ketchup verwandelte sie endgültig in ein fröhliches Kinderessen. Vorbildlich finde ich das Angebot eines dreigängigen vegetarischen Menüs für 14,90 Euro. Man bemüht sich immerhin um eine gesunde Küche, was bei den vielen derzeit in der Stadt herumschweifenden jungen Touristen sicher gut ankommt. Hier wird eine Crossover-Variante deutscher Gemütlichkeit geboten, die wenigstens auch nicht piefig wirkt. Ein etwas konzentrierter arbeitender Service könnte manches in ein helleres Licht rücken.

Die Auswahl an offenen Weinen für knapp vier Euro ist fair, wenngleich ich da was Kalifornisches drunter erwartet hätte, einen der einfacheren Mondavis vielleicht, gibt’s aber nicht. Dafür ordentlichen Chianti und guten venezianischen Chardonnay.

Auf Flüssignahrung ist man hier auch früh schon angewiesen. Als wir ein Dessert bestellen wollten, wurde uns beschieden, dass die Küche um elf Uhr Schicht hat. So was Frühschlafiges soll szenig sein? Wahrscheinlich schon. Nachdem die Technogeneration gern bis in den Vormittag getanzt hat, strecken sich die Nachfahren vermutlich in den frühen Abend aus. Und finden es also richtig hip, mit den Schulkindern ins Bett zu gehen.

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