Zeitung Heute : Ost-West-Dialog

Zwischen Potsdamer und Pekinger Filmemachern herrscht reger Austausch

Frank Noack

Potsdam meets Peking: Die beiden ungleich großen Städte haben immerhin gleich alte Filmhochschulen, zwischen denen ein reger Austausch stattfindet – die Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ und die CUC Communication University of China. Das chinesische Kino konnte im vergangenen Jahr seinen 100. Geburtstag feiern, neun Jahre nach dem deutschen Kino, aber dieses „Manko“ wird durch die Größe seiner wichtigsten multimedialen Ausbildungsstätte wettgemacht.

Während an der HFF „Konrad Wolf“ zwischen 500 und 600 Studenten in elf Studiengängen eingeschrieben sind, werden an der CUC Communication University rund 30 Studiengänge von rund 24 000 Studenten besucht.

Auf 25 000 wird die Zahl der Chinesen geschätzt, die in Deutschland studieren. Die Freie Universiät Berlin hat gerade an einem spektakulären Austauschprogramm mit der Peking-Universität teilgenommen; angesichts der starken Präsenz chinesischer Filmemacher auf internationalen Festivals lag es nahe, einen groß angelegten Austausch von deutschen und chinesischen Filmhochschulen zu organisieren.

Die Präsidentin der größten Medienhochschule der Welt, Liu Jinan, hat mit dem Präsidenten der größten Medienschule Deutschlands, Dieter Wiedemann, eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet, was dazu führte, dass im Frühjahr 2005 eine chinesische Delegation das Studentenfilmfestival „SehSüchte“ in Potsdam besuchte, das nicht zufällig unter dem Motto „Focus China“ stand.

Der Gegenbesuch erfolgte vom 22. August bis zum 20. September in Peking. Zu diesem Anlass wurde die erste deutsch-chinesische Sommerakademie abgehalten, mit dem Ziel, die ersten deutsch-chinesischen Studentenfilme herzustellen. Vier Lehrkäfte, unter ihnen Professor Ulrich Weinberg vom Fachbereich Animation, sind mit 21 Studenten angereist.

Eine klare Mehrheit der Studenten hat das Fach Schnitt belegt, stark vertreten waren auch die angehenden Produzenten; dafür reisten keine Schauspiel-, Szenografie- oder Musikstudenten mit. Ein Grund: Die Vierergruppen (mit je zwei Deutschen und Chinesen) drehten elf Kurzfilme à fünf Minuten von überwiegend dokumentarischem Charakter, mit Titeln wie „Punk in Beijing“ oder „From Riding to Driving“; parallel dazu entstand ein „Making of“ des gesamten Projekts als DVD mit Booklet. Der Sieger konnte sich über einen Mooncake-Award freuen. Die nächsten beiden Sommerakademien werden in Potsdam-Babelsberg stattfinden, im Olympiajahr 2008 ist dann wieder Peking an der Reihe.

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