OST-WEST-DOPPELSten Nadolny und Jens Sparschuh über ihre Armeezeit : Die Leiden und die Tricks

Noemi Hahnemann

Der eine, Sten Nadolny, zwar 1942 in Zehdenick an der Havel geboren, aber in Oberbayern aufgewachsen, ist ein waschechter Westler. Der andere, Jens Sparschuh, 1955 im schönen Karl-Marx-Stadt geboren, ist ein blütenreiner Ostler. Die beiden teilen dennoch einiges miteinander, neben einer mehr oder weniger grenzenlosen Männerfreundschaft, die sie eines Tages unter anderem in die Sandsteinschluchten der Sächsischen Schweiz führte, auch eine soldatische Vergangenheit. Nadolny war Funker bei der Bundeswehr, Sparschuh diente bei der Nationalen Volksarmee. Unter ungünstigen Umständen, die uns die Geschichte Gott sei Dank erspart hat, hätten sie womöglich aufeinander schießen müssen.

In ihrem Dialogbuch „Putz- und Flickstunde – Zwei kalte Krieger erinnern sich“ (Piper) lassen sie ihre Armeezeit im hochironischen Ton Revue passieren. Denn „seit Paul Watzlawick weiß man, die Formel ,Früher war alles besser’ ist der sicherste Wegweiser zum Unglücklichsein. Und in der Tat waren wir über all den Schnurren und kleinen Heldentaten des Soldatenlebens, die uns zunächst eingefallen waren, immer melancholischer geworden“. Also trafen sie sich in Berlin zu mehreren Sitzungen vor einem Mikrofon und nahmen sich vor, „die Unterschiede und Gemeinsamkeiten in unseren Armee-Erlebnissen zu ergründen und ein wenig Rasterfahndung zu probieren: Vergleich der Leiden, der Tricks, der Chancen, der Tagesabläufe, auch ein wenig Gewinn- und Verlustbilanz“. Nein, Deutschland wird man dadurch nicht neu kennenlernen, doch aus diesem grotesken Blickwinkel hat es noch niemand gesehen. Noemi Hahnemann

Babylon Mitte, Fr 27.3., 20 Uhr, 12 €, erm. 9 €

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