Zeitung Heute : Osteifel: Schaufenster der Erdgeschichte: Die Vulkanparks

Jens Albes

Der tobende Vulkan lässt den Boden erzittern und rumoren. Glühende Gase entweichen. Dann schießt eine Magmasäule kilometerweit in die Höhe. Vor rund 13 000 Jahren spielte sich in der Eifel dieses Ereignis ab, das die Geburtsstunde des Laacher Sees markierte - heute gehört viel Fantasie dazu, sich diese Naturgewalten vorzustellen. Ruhig schlummert der größte Kratersee der Eifel im Zentrum eines Naturschutzgebietes. Auch die rund 100 Vulkane der Umgebung sind von Laien oft nicht als ehemalige feuerspeiende Berge zu erkennen.

Heißes Kapitel Erdgeschichte

Für eine bessere Vorstellung von diesem Kapitel der Erdgeschichte sollen die beiden benachbarten Vulkanparks Osteifel im Kreis Mayen-Koblenz und in Brohltal, der Ort liegt im Kreis Ahrweiler, sorgen. Der Vulkanpark Osteifel ist vor einigen Wochen eröffnet worden. Der Vulkanpark Brohltal/Laacher See hingegen wird schon seit zehn Jahren ausgebaut. In beiden Parks sollen vulkanische Attraktionen erklärt und mit Begleitveranstaltungen veranschaulicht werden.

"Bei uns sollen Familien aus dem Bauch heraus erleben, wie Vulkane entstehen und wie ihr Gestein abgebaut worden ist", sagt der Landrat des Kreises Mayen-Koblenz, Albert Berg-Winters. Im geplanten Informationszentrum Rauschermühle in Saffig solle den Besuchern "multimedial" Basiswissen über die vulkanische Umgebung vermittelt werden. In der Nähe, wo sich der Nette-Bach durch einen 200 000 Jahre alten Lavastrom gegraben hat, finden Gäste schon jetzt Schilder, die auf einen Basaltabbau vor zwei Jahrtausenden hinweisen. Mit Eisenkeilen hatten die Römer damals mühsam Blöcke für ihre Bauwerke herausgebrochen.

Nur wenige Kilometer entfernt, bei Kretz, soll vom Sommer an der Einstieg in das größte römische Höhlensystem nördlich der Alpen möglich sein, in dem früher Tuffstein abgebaut wurde. Auf mehr als sechs Quadratkilometern Fläche dehnte sich der unterirdische Säulenwald einst aus. Gut 2000 Quadratmeter der Stollen werden derzeit freigelegt und demnächst mit einem Dach versehen.

Der Vulkanpark des Landkreises Mayen-Koblenz bietet noch einen zweiten Säulenwald. In dem erkalteten Lavastrom unter dem Städtchen Mendig ließen in früheren Jahrhunderten Bergleute unter Tage beim Abbau des Basalts für Mühlsteine und Bauwerke alle 30 Meter einen Pfeiler stehen, um einen Deckeneinsturz zu verhindern. Noch nicht für Besucher fertig erschlossen ist der Katzenberg bei Mayen: Auf ihm thronte einst die größte spätrömische Befestigung des Rhein-Mosel- Gebiets. Zwei Rundtürme und ein Mauerabschnitt sollen auf dem Schieferkegel originalgetreu wieder aufgebaut werden.

Wingertsberger Wand

Ein geologisches Bilderbuch stellt im Landkreis Mayen-Koblenz die 40 Meter hohe Wand des Wingertsbergs dar: Die Bimsschichten erzählen die Geschichte des Laacher Vulkanausbruchs. Dessen Hinterlassenschaft - der kreisrunde See mit der berühmten Abtei Maria Laach aus dem 12. Jahrhundert - ist die Hauptattraktion des Vulkanparks in Brohltal. An einer Stelle des Gewässers sprudelt ständig Kohlendioxid an die Oberfläche. "Das ist der Beweis, dass die Vulkane nur schlafen", sagt der Vulkanologe Hans-Ulrich Schmincke. Lediglich drei Kilometer unter dem See gebe es eine Magmakammer. Ein neuer Vulkanausbruch sei nicht ausgeschlossen, erläutert der Wissenschaftler. Allerdings kündige sich ein solches Naturschauspiel meist Monate vorher mit einer deutlichen Erwärmung der Erde an.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar