Osterbaum : Bunte Eier von glücklichen Hühnern

Angesichts von 10 030 Eiern, die in Saalfeld in Thüringen im Apfelbaum des Rentners Volker Kraft hängen, stellt sich in diesen Tagen natürlich die Frage, ob es denn auch wirklich Bio-Eier sind, die dort das kommende Osterfest lobpreisen. Aber wer will schon wieder düster denken, geschweige denn schreiben? Gerade jetzt, wo die Natur so herrlich erwacht, Zypern gerettet ist und die Welt so herrlich leicht ist, (Bitte jetzt keine superkorrekte klimatische und finanztechnische Gegenrede – wir wollen etwas Leichtes, basta!), also, es wurden wahrscheinlich keine unschuldigen Kreaturen gequält, keine Legebatterien geplündert und kein reizendes Hühnchen pickte einem anderen reizenden Hühnchen im Gefieder herum. Man muss sich den Baum des Rentners Volker Kraft nur genau anschauen, man sieht ihn kaum noch vor lauter Eiern, und dann sieht man die vielen bunten Eier, 10 030 sind es in diesem Jahr, so farbenfroh, so fröhlich, und dann kann man nur schlussfolgern, dass solche Eier nur von munteren, die Freiheit liebenden und die Freiheit genießenden Hühner kommen können, kurzum: von glücklichen Hühnern.

10 030 Eier, in einem Baum, wahrlich ein dickes Ei. Volker Kraft und Gattin sind in den vergangenen zwei Wochen täglich auf die Leiter gestiegen und haben den Osterschmuck befestigt. Warum? Muss alles einen Grund haben?

Die Krafts sammeln Eier, blasen sie aus, gute Güte, 10 030 Eier ausblasen, das ist, behutsam und naturbelassen ausgeführt, noch keine Arbeit für einen, der Vater und Mutter erschlagen hat, aber doch schon eine gerechte Strafe für einen veritablen Eierdieb. Und anstrengend ist es auch, bis alles, was unter anderen Umständen möglicherweise mal ein niedliches Küken hätte werden können, aus der Schale gepustet ist. Wollen die Krafts indes mit ihrem Ostereierbaum ins Guinness-Buch der Rekorde, dem Fachorgan für die Dinge, die die Welt nicht braucht, müssen sie noch verdammt viel blasen. Am 8. April 2007 war im Rostocker Zoo die Beschmückung eines Rekordbaumes beendet. Und dann hingen exakt 76 596 farbige Eier im Baum; der Mensch, der diese Zahl ermitteln musste, stand gewiss auch unter Strafe, weil er vorher eine schwere Schuld auf sich geladen hat. Freiwillig macht so etwas doch keiner. Mit Ausnahme natürlich der Krafts aus Saalfeld in Thüringen. Nach dem Ausblasen kommt das Bemalen der Eier, das Bekleben, und manche werden auch umhäkelt. Warum? Muss alles einen Grund haben? Frohe Ostern.Helmut Schümann

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