Zeitung Heute : Ostermarsch gegen Bombodrom

Der Tagesspiegel

Wittstock. Mehrere tausend Menschen - darunter Fritz Kuhn, Parteichef von Bündnis 90/Die Grünen - werden am Ostersonntag zur Protestwanderung gegen den geplanten Bombenabwurfplatz in Fretzdorf bei Wittstock erwartet. Man erhoffe sich eine eindeutige Stellungnahme Kuhns zu dem Vorhaben, sagte Benedikt Schirge, Sprecher der Bürgerinitiative „Freie Heide“ am Donnerstag. Es wird die 10. Osterdemonstration der Initiative, die seit 1992 gegen die Militär-Pläne für das 14 000 Hektar große Gelände streitet.

Die Osterdemonstrationen in Fretzdorf waren in den vergangenen Jahren die zahlenmäßig größten der deutschen Friedensbewegung. Neben Kuhn hätten sich diesmal weitere Bundestagsabgeordnete und der Berliner Bürgerrechtler Wolfgang Ullmann angekündigt, sagte Schirge. Kuhn hatte sich bereits 2001 vor Ort umgesehen und die Protestler in ihrem Vorhaben bestärkt. Nachdem sich auch in Mecklenburg eine Bürgerinitiative gegen das Bombodrom gegründet habe, würden auch von dort Mitstreiter erwartet. Die Gegner aus Mecklenburg wollen vor allem Tiefflüge über der Seenplatte verhindern. Um das „Bombodrom“ wird seit Jahren auch gerichtlich gestritten. Die Bundeswehr hatte das von der Sowjetarmee besetzte Militärgelände nach dem Abzug der russischen Truppen - nach Meinung der Gegner widerrechtlich - übernommen. Statt des Luft-Boden-Schießplatzes fordert die Bürgerininitiative eine zivile Nutzung des Areals. Die Bundeswehr will mit den Tiefflügen andere Übungsplätze in Bayern und Niedersachsen entlasten und plant die Ansiedlung einer Garnison bei Wittstock.

Ende 2000 hatte das Bundesverwaltungsgericht in Berlin den Streitkräften nach jahrelangem Rechtsstreit zunächst untersagt, das „Bombodrom“ militärisch zu nutzen, ohne vorher die Anliegergemeinden ausreichend angehört zu haben. Das Bundesverteidigungsministerium ließ Anfang 2002 ein Anhörungsverfahren in der Region laufen, dessen Ergebnis aber nicht bekannt ist. dpa

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