Zeitung Heute : Ostern: Ökonomie: Wie eine Legebatterie funktioniert

Wie sieht eine moderne Legebatterie aus? Bis ins Detail hat die "Mecklenburger Frischei GmbH und Co. Farmanlagen KG" ihre geplante Riesen-Hühnerfabrik in Neubukow in Mecklenburg-Vorpommern geschildert. Die Anlage steht stellvertretend für den modernen Hühnerstall, der ab 2007 in Deutschland in dieser Form verboten ist. Inzwischen werden in Ungarn und Tschechien von der berüchtigten Familie des Hühnerbarons Pohlmann noch größere Anlagen geplant. Die Legefabrik in Neubukow war nach massiven Auseinandersetzungen aufgegeben worden.

Die Anlage besteht aus sechs Ställen. In jedem Stall gibt es sieben Käfigreihen mit acht Etagen übereinander. In jeden Käfig werden fünf Hühner "eingestallt". Die Fläche je Henne beträgt 502 Quadratzentimeter (Din-A-4-Blatt: 600 qcm). Die Anlage fasst maximal 792 960 Hühner, die durchschnittliche Belegung liegt bei 737 932 Hühnern. Der Unterschied erklärt sich durch ständige Tierverluste. An Krankheiten, Stress und gegenseitigem Tothacken verenden täglich 140 Hühner. Die Betreiber rechnen mit "jährlichen Tierverlusten von 49600 Stück".

In der 18. Lebenswoche werden die Junghühner eingestallt. Sie bleiben bis zur 78. Lebenswoche im Käfig, bevor sie abgeholt, getötet und als ausgemergelte Suppenhühner vermarktet werden. In Großanlagen werden die Hühner oft mit "Chicken Catching Machines" gefangen, das sind überdimensionale Staubsauger, die die Tiere aus dem Käfig saugen und über dicke Rohrleitungen direkt in den Lastwagen befördern.

Die fast 800 000 Hühner legen im Jahr mehr als 200 Millionen Eier, von denen 1,8 Millionen als schadhaft weggeworfen werden. Jährliche Legeleistung pro Tier: 290 Eier. Pro Jahr müssen 28 250 Tonnen Futter herangekarrt werden, das sind mehr als 1000 Lkw-Fuhren mit einem 28-Tonner. Im Gegenzug fallen für den Abtransport 19 700 Tonnen getrockneter Hühnerkot an.

Zur weiteren Behandlung werden die Exkremente ins Trockenkotlager überführt. Ein wasserbesprühter Biofilter soll die Abluft der Kotlager reinigen und freigesetzte Keime sowie den Gestank reduzieren. Dennoch ist die Keimbelastung im Umkreis stark erhöht. Erst in 500 Metern Entfernung soll sie sich "der natürlichen Belastung" angleichen.

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