Zeitung Heute : Ostern: Zoologie: Sechs auf 310 In 5000 Jahren

Unser Haushuhn (Gallus eu) stammt vom Bankivahuhn (Gallus gallus) ab, das in den Wäldern Südostasiens beheimatet ist. Es ist braun mit gelben Halsfedern. Die Urhühner lebten in Haremsgruppen von fünf bis zwölf Tieren im Unterholz und pickten Kleingetier, Samen und Knospen. Nachts saßen sie auf Bäumen. Die Domestikation begann vor etwa 5000 Jahren in Indien.

Hühner wurden zunächst als Schlachttiere gehalten, erst später als Eierlieferanten. Sie leben in einem stabilen Sozialverband. Der Hahnenschrei ist das akustische Startsignal für ihren Tageslauf. Zur Morgendämmerung wird ausgiebig das Gefieder geputzt, dann beginnt die Futtersuche mit anschließender morgendlicher Eiablage. Hühner sind stolz auf ihre Eier, und sie reden darüber. Das Legegackern alarmiert den Hahn, der daraufhin die Henne galant zur übrigen Hühnerschar führt. Zur Mittagszeit folgt eine Ruhepause mit ausgiebigem Sonnenbad. Als liebste Zeit für die Kopulation gilt Hahn und Henne der Nachmittag. Gegen Abend treibt der Hahn die Hühner auf die Stange. Ein Huhn legt täglich eine Wegstrecke von knapp 1,5 Kilometern zurück. Es wird bis zu sieben Jahre alt.

Die Urahnen unserer heutigen Eiermaschinen, die Dschungelhühner Südostasiens legten sechs bis zwölf Eier im Jahr. Schon 1870 hatten die Züchter die Legeleistung auf 80 Eier hochgetrieben, im Jahr 1950 waren es 120 Eier im Jahr. Heute wird den Hochleis-tungshybriden mehr als das Doppelte abverlangt. Käfighühner in großen Batterien legen bis zu 310 Eier jährlich. Diese Legeleistung entspräche einer Frau, die alle 15 Stunden "ihre Tage" hat. Die männlichen Tiere (45 Millionen Küken jährlich) werden heute in den Brutanlagen direkt nach dem Schlupf in so genannten Kükenvermusern zerhäckselt oder mit Kohlendioxid vergast.

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