Zeitung Heute : Osterwasser macht schön

Vor 100 Jahren schwofte der Berliner zum Fest in Schramm’s Seebad. Von liebgewonnenen Traditionen und alten Bräuchen

Katja Gartz
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Eier bis zum Horizont. Je nach Gegend wurde Kindern früher erzählt, die Ostereier kämen vom Hahn, Kuckuck, Fuchs oder Storch....

Zu Ostern gehören Hasen aus Schokolade, bunte Eier und ein ausgedehntes Frühstück mit den Liebsten. Viele Berliner nutzen die Feiertage aber auch für ausgedehnte Frühlingsspaziergänge. Der Osterausflug hat Tradition. Bereits vor rund hundert Jahren zog es die Hauptstädter Ostern ins Freie. „Gerne hat man dabei in Wilmersdorf Schafsmilch und Eier verköstigt“, berichtet Birgit Jochens, die Leiterin des Heimatmuseums Charlottenburg-Wilmersdorf. Doch auch Tanzen gehörte damals zu den Feiertagen. Ein beliebter Ausflugsort sei Schramm’s Seebad in Wilmersdorf gewesen. In der Badeanstalt mit Restaurant und Biergarten, die Platz für 600 Gäste bot, fanden zu Ostern nicht nur große Militärkonzerte statt, es wurde auch kräftig das Tanzbein geschwungen.

Heute völlig in Vergessenheit geraten ist der Brauch des Osterwassers, das heilende und verschönernde Kräfte haben sollte. Bevorzugt wurde es aus Havel und Spree geschöpft – vor Tagesanbruch, ohne ein Wort dabei zu verlieren – und ebenso stillschweigend nach Hause gebracht. Sonst hätte es angeblich seine Wirkung verloren. Auch der Brunnen am Schlossplatz, der Mühlengraben in Schöneberg und das Gewässer des heutigen Landwehrkanals dienten als Quellen. Der Brauch wurde bis weit ins 19. Jahrhundert hinein gepflegt. Auch Ernst Friedel, Gründer des Märkischen Museums, hat ihn als Kind um 1845 noch miterlebt. Er beschreibt, wie Soldaten an der Weidendammer Brücke versuchten, ihren Liebsten beim Osterwasserholen ein Lächeln zu entlocken. Das Potsdamer Tor blieb zu diesem Zweck sogar die gesamte Osternacht geöffnet, um die vielen Frauen ein- und auszulassen.

Für Birkenzweige mit zarten Knospen, die heute als Frühlingsboten ihren Platz in der Vase finden, hatten Kinder früher eine andere Verwendung. Sie liefen mit Osterruten aus Birkenzweigen in aller Frühe zu Nachbarn und Bekannten. Wer noch in den Federn lag, musste zur Strafe Ostereier verteilen. Etwas abgewandelt scheint sich dieser Brauch in der Umgebung von Potsdam erhalten zu haben: „Da ziehen die Kinder von Haus zu Haus, singen Lieder und bekommen als Belohnung bunte Eier“, sagt Birgit Jochens.

Einen etwas eigenartigen Osterbrauch hat es früher in Schmargendorf gegeben, weiß die Museumsleiterin zu berichten. So seien die Fenster mit Ostereiern geschmückt worden, die auf Fäden aufgereiht waren. Wer die meisten Fäden mit Eiern zu bieten hatte, galt als Osterkönig.

In der alten Böhmischen Gemeinde in Rixdorf war es dagegen üblich, am Morgen des Ostersonntags in feierlicher Prozession zum Böhmischen Gottesacker in der Nähe des früheren Richard-Platzes zu ziehen. Dabei wurden Osterweisen gesungen und anschließend die Kirche besucht.

Die alten Osterbräuche waren vor allem in den traditionellen Dorfgemeinschaften verbreitet. Das änderte sich jedoch mit der Industrialisierung. So heißt es in der „Wilmersdorfer Zeitung“ im April 1909, dass „schon seit langem im preußisch-protestantischen Berlin-Brandenburg ein Niedergang der Osterbräuche und -sitten zu konstatieren“ sei.

Heute erfreuen sich manche alten Bräuche wieder neuer Beliebtheit. Das gilt laut Birgit Jochens zum Beispiel für die Osterfeuer. Bei den alten Germanen galten sie als Fruchtbarkeitsritus, mit dem der Winter vertrieben und das Frühjahr und das neue Leben in der Natur begrüßt wurden.

Auch der Osterhase symbolisiert die Fruchtbarkeit – weil sich seine Artgenossen im Frühjahr so gerne vermehren. Das Ei galt bereits im alten Ägypten und in der Urchristenzeit als Zeichen der Fruchtbarkeit und des Lebens. Schließlich ist Ostern das wichtigste Fest des Christentums, an dem die Auferstehung Christi gefeiert wird.

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