Zeitung Heute : Ottomanisch

Joachim Huber

Die deutschen Spitzenpolitiker könnten rund um das TV-Studio in Köln-Hürth eine Menschenkette bilden. Nach dem vorläufigen Stand werden sich versammeln: Innenminister Otto Schily (SPD), der "Bimbes"-Hesse Roland Koch (CDU), die Wissenschaftsministerin Dagmar Schipanski (parteilos in Thüringen) und Generalsekretär Guido Westerwelle (FDP). Alle diese Politiker sind gegen "Big Brother", die "Real Life"-Show bei RTL 2. Schily, der in der Asyl-Politik den harten Burschen gibt (Wir sind drinnen, ihr bleibt draußen) schreit am lautesten. Er spricht von einer Verletzung des Grundgesetz-Artikels 1: "Die Würde des Menschen ist unantastbar." Ist nicht auch das rotgrüne Bundeskabinett ein bisschen "Big Brother"? Eigentlich alle zusammen, tatsächlich jeder gegen jeden. Zum "Big Brother"-Original fehlen nur die Kameras. Die Minister bekommen allerdings weniger Geld als der Sieger von "Big Brother" - und müssen richtig arbeiten. Schlimmer noch in Hessen. Mit der FDP-Königskobra Ruth Wagner in einer Regierung sitzen zu müssen, kann nicht einmal Roland Koch glücklich machen. Aber Ruth Wagner hat begriffen: Anders als bei RTL 2 dürfen in der Politik die Teilnehmer nur alle vier Jahre vor die Tür geschickt werden. Es sei denn, es ist "Bimbes"-Zeit. Bimbes ist die verschärfte Variante von "Big Brother". In weniger als 100 Tagen gab es Abgang auf Abgang. War da auf verletzte Menschenwürde plädiert worden? "Wer sich ein Gefühl für die Würde des Menschen bewahrt hat, sollte die Sendung boykottieren", schreibt Otto Schily in der "Woche". Wir boykottieren diesen Politiker nicht, wir gehen wählen."Big Brother" ist gestern abend gestartet. Auf 100 Tage ist das Fernsehereignis bei RTL 2 angelegt. Zur Begleitung gibt es die Kolumne "100 Tage Einsamkeit".

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