Zeitung Heute : Outfit: Eine Frage der Selbstsicherheit

Frau Egerth[Wohlfühlen] Business-Outfit -

Rund 95 Prozent der deutschen Großunternehmen lassen ihre Mitarbeiter coachen. Dabei geht es immer häufiger auch ums äußerliche Erscheinungsbild. Dass sich die Beratungen nicht auf Outfitfragen beschränken können, weiß Angelica Egerth, Gründerin des Instituts für Image & Präsentation in Berlin. Die diplomierte Mode-Designerin unterstützt seit über zehn Jahren Führungskräfte mit Kundenkontakt, erarbeitet im Unternehmensauftrag Konzepte zur Teamharmonisierung und entwickelt zur Unterstützung der Corporate Identity auch Farb- und Gestaltungskonzepte für das architektonische Gestaltungsbild von Betrieben.

Frau Egerth, Wohlfühlen und Business-Outfit - kann man das zusammenbringen?

Selbstverständlich. Krawatte und dreiteiliger Anzug oder Kostüm können sogar einen größeren Tragekomfort haben als ein Jogginganzug. Das ist allerdings an ein paar Voraussetzungen geknüpft.

Sie meinen das nötige Kleingeld?

Überhaupt nicht. Ich verspreche Ihnen: Einen gut sitzenden Anzug - um mal bei der Herrenausstattung zu bleiben - plus vernünftige Schuhe, die auch nach einem halben Jahr noch nicht ausgetreten sind, und ein hochwertiges Hemd mit Krawatte bekommt man für 1000 Mark, mit etwas Glück geht es auch schon für 400 Mark. Dann muss man allerdings ein wenig suchen. Den Preis meinte ich aber nicht. Sich in einem klassischen Business-Outfit wohlzufühlen, hängt von ganz anderen Einflussfaktoren ab. Im Grunde sind das nur zwei wesentliche.

Wir hören.

Zunächst ist es wichtig, die Spielregeln der Branche und der Situation zu kennen. Erst wenn man diese beiden Parameter einzuschätzen weiß, wird Handeln - in diesem Falle also Anziehen - nach dem Prinzip "So individuell wie möglich und so angepasst wie nötig" überhaupt machbar. Wer beruflich erfolgreich sein will, kommt um ein gewisses Maß an Zugeständnissen nicht herum, das ist beim Outfit nicht anders als im Fachlichen. Das bedeutet aber nicht, dass man sich verbiegen muss. Ganz im Gegenteil. Ideenreichtum, Witz und Kreativität werden auch beim Outfit geschätzt - allerdings nur in der richtigen Dosierung.

Der zweite Einflussfaktor?

Das ist die Kenntnis darüber, mit und in welcher Bekleidung man sich selbst am wohlsten fühlt. Stoff, Schnitt und Farbe spielen dabei die größte Rolle. Was nutzt Ihnen beispielsweise ein todschicker Anzug, dessen kratziger Stoff Sie innerhalb von zwei Stunden zum Wahnsinn treibt? Oder ein Kostüm mit so enger Taille, dass Sie im Sitzen kaum noch Luft bekommen? Schlecht auch, wenn man das Wetter nicht berücksichtigt.

Zusammengefasst bedeutet das?

Die Herausforderung heißt, es sich so einfach wie möglich zu machen. Die Kleidung sollte so gewählt sein, dass man authentisch sein und gleichzeitig auf andere den Eindruck vermitteln kann: Ich habe mich mit meinem Erscheinungsbild auf die Situation eingestellt, meine Aufmerksamkeit gilt zu hundert Prozent dem Gesprächsanlass.

Sie sprachen von Bequemlichkeit eines Jogginganzugs. So ganz nachvollziehbar ist das immer noch nicht.

Sich in seiner Bekleidung wohl zu fühlen bedeutet doch, dass man sich selbst auf sein Handlungsziel konzentrieren kann. Das dürfte im Bett der Schlafanzug sein. Im Geschäftsalltag heißt das Ziel aber nicht einsame Erholung. In der Kommunikation mit anderen sollen Probleme gelöst werden. Da stört es, wenn statt Inhalten zunächst eine ungeschickt ausgewählte Bekleidung im Vordergrund der Aufmerksam stehen.

Was passiert schlimmstenfalls?

Bei nicht angemessenem oder unpassendem Outfit läuft im Kopf des Gegenübers unweigerlich in der Art eines Börsentickers ab: Kann der Mann sich nichts Besseres leisten? Ist die Frau sich selbst so unwichtig? Hat diese Person keinen Sinn für Anlässe? Wer sich angemessen kleidet und - wenn überhaupt - durch positive Details auffällt, kann sein Anliegen unmittelbar thematisieren. Und ich behaupte: Das trägt ganz unmittelbar und enorm zum persönlichen Wohlfühlen bei. Wenn die Kleidung dann auch noch die kleinen Problemzonen an der eigenen Figur oder Statur geschickt überspielt, ist die Sache perfekt.

"Dress for success" ist also mehr als nur ein guter Slogan?

Allerdings. Auf der Basis einer gründlichen Analyse der eigenen Outfit-Bedürfnisse, der Erwartungen, die das berufliche Umfeld an die Bekleidung stellt, und der Situation, in die man sich begibt, kann der berufliche - und private - Erfolg enorm gesteigert werden. Die Selbstsicherheit und das Selbstvertrauen wachsen. Probieren Sie es aus und stellen Ihren nächsten Kreditantrag in einem sorgfältig ausgesuchtem Outfit.

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