PÄDOPHILE KLERIKER : Im Verborgenen

Solche Meldungen aus den USA gibt es mittlerweile regelmäßig: Am Wochenende berichtete die „Los Angeles Times“, die katholische Diözese im kalifornischen San Diego werde 140 Opfern sexuellen Missbrauchs durch Geistliche 200 Millionen Dollar zahlen. Erst im Juli hatte die Erzdiözese von Los Angeles über 500 Männern und Frauen, die als Kinder von pädophilen Priestern missbraucht worden waren, eine Entschädigung in Höhe von 660 Millionen Dollar zugesagt. Der Erzbischof von Los Angeles, Kardinal Roger Mahony, hatte sich bei den Opfern öffentlich für den jahrelangen Missbrauch in den Gemeinden seiner Diözese entschuldigt.

Zahlreiche US-Diözesen stehen wegen solcher Entschädigungszahlungen mittlerweile am Rande der Zahlungsunfähigkeit. Und ein Ende ist nicht abzusehen. Nach Angaben der US-Bischofskonferenz wurden 2006 insgesamt 714 glaubhafte Beschuldigungen wegen Missbrauchs an Kindern gegen 448 Priester erhoben. 2005 seien 783 Beschuldigungen eingegangen, 2004 waren es 1092. Die meisten Anzeigen betreffen Vergehen, die sich schon vor Jahrzehnten zugetragen haben.

Der Psychologe Wunibald Müller – Leiter des Recollectio-Hauses Münsterschwarzach und seit Jahren mit dem Thema befasst – geht davon aus, dass sich die deutsche Situation nicht grundlegend von der in den USA unterscheidet. Er schätzt den Anteil der Priester, die Kinder oder Jugendliche sexuell missbrauchen, auf etwa zwei bis vier Prozent aller Kleriker – also auf 350 bis 700. Anders als in den USA ist in Deutschland die Zahl der bekannt gewordenen Fälle jedoch verschwindend gering. In den letzten Jahren wurden nach inoffiziellen Schätzungen etwa zwei Dutzend Kleriker bei den Bistümern angezeigt. Und anders als in den USA hat die deutsche Bischofskonferenz nach wie vor keinen genauen Überblick. M.G.

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